Langmut. Der Begriff umschreibt sehr gut die Stimmung nach dem verlängerten Eröffnungswochenende der achten Sommerausgabe der Art & Antique in der Salzburger Residenz. Die weltweite Gemengelage mit dem fortwährenden Krieg in der Ukraine und die daraus folgenden massiven Teuerungen und einer möglichen Rezession macht es schwer, mit notwendiger Leichtigkeit und Investitionsfreude eine Kunstmesse zu besuchen.

Obwohl heuer die Rahmenbedingungen in der Festspielstadt perfekt sind: Die Opern-, Konzert- und Theateraufführungen sind meistens ausverkauft, die Zimmer belegt und Gäste reisen wieder aus fernen Ländern an. Ideale Voraussetzungen, um mit einer qualitätsvollen Kunstmesse bei Sammlerinnen und Sammler zu reüssieren. Ein Momentum, das auch von teilnehmenden Galeristen und Kunsthändlern bestätigt wird: "Vor der Pandemie war die sommerliche Art & Antique meine beste Messe," erzählt Antikenhändler Christoph Bacher von seinen Erfahrungen. "Im Sommer - zu den Festspielen - kamen relevante Sammler aus Frankreich, Belgien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten." Bacher setzt, nach starkem Interesse am ersten Wochenende, auf Langmut und ist gespannt, was die Woche bringen wird.

Übersättigter Nitsch-Markt

Am Angebot sollten Investitionen in Kunst nicht scheitern: Die Portfolios der meisten der 22 Aussteller bestätigen gewohnte Qualitäten und künstlerische Vielfältigkeit. Wobei wieder einmal auffällt, dass das Zeitgenössische gegenüber dem "Antiken" immer mehr an Oberwasser gewinnt. Mit einigen Abstrichen bei Qualität und Strategie. Denn es macht zurzeit wirklich wenig kaufmännischen Sinn, wenn fast jeder zweite Kunsthändler seine Ab-Hof-erworbenen, oft zweitklassige Arbeiten von Hermann Nitsch aus dem Keller holt und der irrigen Annahme ist, mit diesen ein paar Monate nach dem Tod des Maestros Reibach zu machen. Der heimische Markt ist übersättigt und bis sich eventuell globale Erfolge wie bei Maria Lassnig einstellen, sollte zuerst die internationale Entwicklung, wie Präsentationen bei der renommierten New Yorker Galerie Pace, abgewartet werden.

Aber Nitsch beiseite. Denn es gilt bei der Art & Antique einiges zu entdecken. Wie bei der Galerie Brenske. Stefan Brenske, einer der führenden Experten bei Ikonen in Mitteleuropa, inszeniert auf seinem Stand geschickt faszinierende, detailreiche Ikonen aus dem 15. wie 16. Jahrhundert mit abstrakten Werken von Josef Albers, Otto Piene und Paul Jenkins (32.000 Euro). Die Preise der Ikonen liegen zwischen 1500 und 35.000 Euro. Sehenswert.

Die zeitgenössische L.art Galerie ist die einzige Vertreterin aus der Salzburger Kunstszene. Die Direktorin der 2019 gegründeten Galerie, Judith Legat, begründet ihre Strategie, bei Kunstmessen verstärkt Präsenz zu zeigen, damit, die in der Pandemie "verlorenen" Jahre aufzuholen. Am Stand stechen zwei schwungvolle Alois Mosbachers ins Auge: "Quasi Vorarbeiten für seine kommende Ausstellung im Belvedere 21", wie Legat schildert (Preise zwischen 18.500 und 21.000 Euro).

Provoziertes Auge

Der Kunsthändler Giese & Schweiger fordert das Sehen von Sammlerinnen und Sammlern heraus. Sowohl die großflächige Arbeit von Marc Adrian (77.000 Euro) hinter einem welligen, genoppten Plastikschild, als auch die intensive Farbkomposition von Alfons Schilling (66.000 Euro) provozieren das Auge des Betrachters - bei Adrian, um hinter die "Kulisse" zu blicken und der Schilling sollte überhaupt mit einer Linse begutachtet werden. Für Giese & Schweiger verlief das erste Wochenende einigermaßen zufriedenstellend: "Wir konnten Arbeiten von Zoff, Alt, Fischbach und Laske platzieren", berichtet Alexander Giese, "Wir können zum Glück einigermaßen entspannt in die Folgewoche blicken."

Bei der Galerie bei der Albertina ist es wiederum eine nuancierte Arbeit von Erika Giovanna Klien, die auf Sammler-Interesse stößt (265.000 Euro). Immer wieder fein kondensiert präsentiert sich das Portfolio der Münchner Galerie Française von Gérard Schneider. Zu den heurigen Highlights zählen zwei außergewöhnliche Papierarbeiten von Niki de Saint Phalle (18.000 Euro) und Jean Arp (48.000 Euro) sowie ein fulminanter Serge Poliakoff (228.000 Euro). Josef Schütz wandelt sich immer mehr vom Kunsthändler zum Museumsdirektor mit (Kunst-)Handlungsbedarf: Seine Ausstellungsräume in Wien hat er aufgegeben und residiert nur mehr in seinem bemerkenswerten Museum in Engelhartszell, wo er schon noch Verkaufsausstellungen organisiert. In Salzburg zeigt er unter anderem eine kräftig-mythische Arbeit von Albert Birkle (280.000 Euro).

"Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann ..." An den Monolog von Marlon Brando als Marc Anton in der Verfilmung von Shakespeares "Julius Caesar" wird der Betrachter unmittelbar erinnert, wenn er bei Christoph Bacher das beeindruckende, bestens erhaltene Marmor-Porträt eines römischen Athleten erblickt. Aufgrund der überaus feinen Ausarbeitung ist die Ähnlichkeit verblüffend und bei Bacher mit 100.000 Euro ausgepreist.