Das nächste Kapitel im Wiener Kunstmarathon. Diesmal geht es wieder an die Peripherie der Stadt. In der vergangenen Woche hat die Viennacontemporary nach Lob geheischt, weil sie im - beengten - Zentrum der Stadt angekommen ist. Die Art Vienna marschiert in die gegensätzliche Richtung: Vom Leopold Museum und der Hofburg hat Messeleiterin Alexandra Graski-Hoffmann mit der Orangerie in Schönbrunn ein stimmiges wie überaus stilvolles Ambiente gefunden.

Ina Loitzls lässige Boxkampf-Installation. - © Art Vienna / Ina Loitzl
Ina Loitzls lässige Boxkampf-Installation. - © Art Vienna / Ina Loitzl

Die hohen Räume, die riesigen Fenster mit Blick auf den Park und selbst der etwas unebene Ziegelsteinboden verleihen der Kunstmesse ein charmantes Setting. Und es gibt ausreichend Platz, um Kunstwerke aus einer notwendigen Distanz betrachten zu können.

Der Neuanfang nach Corona

Kata Oelschlägels konzeptuelle Fotografien stechen ins Auge. - © Art Vienna, Kata Oelschlägeä
Kata Oelschlägels konzeptuelle Fotografien stechen ins Auge. - © Art Vienna, Kata Oelschlägeä

Die Art Vienna entwickelte sich aus einem Absprung. Die Art Austria konnte, wollte den Ausstellungs-Vertrag mit dem Leopold Museum nicht mehr erfüllen, vertschüsste sich und Graski-Hoffmann sprang kurzfristig mit dem neuen Format in die Bresche. Durch den Umbau des Museums musste sie in die Hofburg ausweichen. Die Pandemie setzte die junge Art Vienna "on hold". Ob und wie es weitergehen kann, war offen.

Mit hohem Einsatz und zahlreichen (Erst-)Besuchen von zeitgenössischen Galerien ist es Graski-Hoffmann und ihrem Team gelungen, eine kleine, feine Kunstmesse auf die Beine zu stellen. "Ich habe die Messe in den vergangenen Monaten zahlreichen Galeristinnen und Galeristen vorgestellt, lange, intensive Gespräche geführt und dabei viel Neues kennengelernt", erzählt sie von ihren Erfahrungen im Vorfeld der Messe.

"Mit der dritten Ausgabe mit 25 Ausstellern lancieren wir einen Neuanfang." Für Graski-Hoffmann besteht kein Zweifel, dass das Projekt ein "work in progress" ist. Aber die erstmalige Teilnahme von renommierten Galerien wie Mario Mauroner oder der jungen, engagierten Galerie Wonnerth Dejaco, und die bemerkenswerte Sonderschau "F" zeigt, dass ein solider Schritt gesetzt wurde.

Die Sonderausstellung "F" wurde von Kulturmanagerin Ema Kaiser-Brandstätter und der Galeristin Sophia Vonier kuratiert und präsentiert unterschiedlichste Positionen von zwölf Künstlerinnen wie unter anderen Soli Kiani, Johanna Binder, Ina Loitzl, Iv Toshain, Kata Oelschlägel oder Sophia Süßmilch.

Viele gelungene Arbeiten

Hier stechen die Arbeiten von Kiani, die mit Zeichnungen und einer Skulptur den Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen behandelt, Binders wunderbar ironisches Video "Dancing with the Stars", Ina Loitzls lässige Boxkampf-Installation oder Kata Oelschlägels konzeptuelle Fotografien, mit denen sie an den Wiener Aktionismus anknüpft, ins Auge.

Bei den Galerien sind es die Farbfelder von Olivia Kaiser bei Grubeck Contemporary (ab 3.800 Euro), die filigrane, schwebende Skulptur Kai Philip Trauseneggers bei Smolka (8000 Euro), die Kleinformate von Alex Koschier (1.000 Euro) und die Werke von Maja Vukoje (zwischen 5.500 bis 8.000 Euro) bei WonnerthDejaco oder die virtuose, vielschichtige Installation von Veronika Suschnig bei Agnes Reinthaler (von 1.400 bis 6.900 Euro), die Beachtung finden.

Durchdacht und gelungen präsentiert sich der Stand der Galerie Jünger, die unter dem Titel - und als Anlehnung an die Orangerie - "Planten un Blomen" Arbeiten in unterschiedlichen Medien zum Thema Natur zusammengestellt hat, wie Fotografien von Laurenz Ziegler (2.000 Euro), Polaroids von Regina Anzenberger (1.780 Euro) oder eine "blutende" Rose von Casaluce Geiger (2.600 Euro). Judith Radlegger, Direktorin bei Mauroner, führt das Thema Feminismus weiter und stellt Künstlerinnen in den Mittelpunkt: vom Triptychon "Anima Mundi" von Marina Abramovic (169.500 Euro) über Körperskulpturen von Madeleine Berkheimer (ab 26.500 Euro) bis zu den pastosen Collagen Christina Zurfluhs (18.800 Euro). Bei Giese & Schweiger kontrastiert eine außergewöhnliche, großformatige Kreuzigung mit Glitter von Tin Trohar (14.000 Euro) ein unheimliches Puppenporträt von Rudolf Wacker (181.000 Euro).

Die Art Vienna präsentiert sich als Messe im Aufbruch. Diese Ausgabe ist durchaus gelungen. Aber es wird die nächste Ausgabe sein, mit der es sich beweisen wird, inwieweit sie sich im Wiener Kunstmessentohuwabohu platziert.