Seit jeher gehören Tiere zu unserem Leben - sei es nun als Haustier, Nutztier oder Attraktion. Aber nicht nur in Gefangenschaft in einem Zoo spielen Tiere eine Rolle zur Unterhaltung, sondern auch im Kunstbereich. Man denke nur daran, dass kaum ein Film oder Buch ohne ein Tier auskommt, ob sie nun "Randerscheinung" sind oder sogar "Hauptdarsteller". Wilde und zahme Tiere sind eben nicht wegdenkbarer Teil unseres Lebens - ob bewusst oder unbewusst. Und das hat auch in der Bildenden Kunst Spuren hinterlassen. Die Sammlung des Mumok beinhaltet sogar fast 500 Werke, welche auf unterschiedlichste Art und Weise mit Tieren zu tun haben. Anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums der Sammlung, die 1962 erstmals präsentiert wurde, gibt es derzeit die vielen Exponate in der Ausstellung "Das Tier in Dir - Kreaturen in (und außerhalb der mumok Sammlung" zu sehen. Das Museum wird so zum "Zoo" der außergewöhnlichen Art. Auf drei Stockwerken geben die Werke einen Überblick über die Anziehungskraft der Geschöpfe, nicht zuletzt auch, um Gewalt- und Herrschaftsstrukturen zu verhandeln. Es geht um Beziehungen zwischen Tier und Mensch, die sich auch auf ganz andere Ebenen übertragen lassen.

Obgleich es eine Streitfrage ist, ob der Mensch selbst ein Tier ist oder nicht, spielt auch dieser eine zentrale Rolle in der Ausstellung und ist quasi in jedem Werk präsent. Und das nicht nur, weil die Kunstschaffenden Personen und keine Tiere sind. So sieht man in "Zoo-Homo Sapiens" des russischen Künstlerpaares Valeriy Gerlovin und Rimma Gerlovina zwei hinter Gitterstäbe eingesperrte, nackte Menschen, die mit sehr wenig Platz auskommen müssen. Zudem ist eine große, weiße Plastikschüssel in der 1977 veröffentlichten Fotografie ersichtlich, die als Futterschüssel verstanden werden kann. Es scheint offensichtlich, dass die beiden auf die schlechten (damals noch schlechteren) Lebensumstände von Tieren in Zoos aufmerksam machen wollen. Fast ironisch, sind doch nur eine Ecke weiter Zootiere in ihren engen und kargen Gehegen, die Candida Höfer im Jahre 1992 fotografierte, zu sehen.

Auch eine "Puppe" von Ursula aus Pelz und toten Tierteilen regt in der Ausstellung zum Nachdenken über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier an. - © Museum Ludwig, Köln
Auch eine "Puppe" von Ursula aus Pelz und toten Tierteilen regt in der Ausstellung zum Nachdenken über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier an. - © Museum Ludwig, Köln

Grober Umgang

Im Kurzfilm "Mutterschaft" von Anna Jermolaewa aus 1999 wiederum ist eine Hündin zu sehen, die im Stehen ihre Jungen ernährt. Dabei wird sie selbst von einem Mann, dessen kantige Stimme im Hintergrund zu hören ist, gefüttert. Im wahrsten Sinne des Wortes wird die Hündin als Tier behandelt und grob am Genick gekrault. Es ist offensichtlich, dass sich die Mutter der jungen Hunde nicht wohl dabei fühlt. Obwohl das Video nur wenige Sekunden dauert, kann man dem Clip entnehmen, dass die "weibliche Protagonistin" dem "männlichen Hauptdarsteller" unterlegen ist. Während sie sich um die Heranwachsenden kümmern muss, versorgt sie der Mann mit Futter. Ein unangenehmes Bild, das sich auch auf manche menschliche Beziehung umlegen lässt. Weiters in der Menagerie des Mumok: eine riesige blaue Spinne, ein Singvogel mitsamt Ukulele im Käfig, ein stilisierter Tigerteppich (von Heimo Zobernig) und vieles mehr.

Sammlungszuwachs

Eine "Begegnung" (von Herman Prigann) der außergewöhnlichen Art erlebt man nicht nur durch dieses Bild. - © Bildrecht Wien, 2022
Eine "Begegnung" (von Herman Prigann) der außergewöhnlichen Art erlebt man nicht nur durch dieses Bild. - © Bildrecht Wien, 2022

Die nun gefeierte Sammlung bekam zuletzt übrigens Zuwachs: So schenkte Gerhard Rühm dem Haus den Kern seines bildnerischen Vorlasses, der 1.500 Werke aus sechs Jahrzehnten umfasst. Ebenso überließen Dieter und Gertraud Bogner dem Museum azentrale Arbeiten konkreter, medienbasierter und konzeptueller Kunst. Somit sei die Sammlung nunmehr auf über 20.000 Werke angewachsen, so Mumok-Direktorin Karola Kraus.

Wie es bloß aussehen würde, wenn ein Mensch in einem Zoogehege ausgestellt wäre? Das Künstlerpaar Valeriy Gerlovin und Rimma Gerlovina haben sich in "Zoo-Homo Sapiens" Gedanken darüber gemacht. - © Rimma Gerlovina, Valeriy Gerlovin, photo: Victor Novatsky
Wie es bloß aussehen würde, wenn ein Mensch in einem Zoogehege ausgestellt wäre? Das Künstlerpaar Valeriy Gerlovin und Rimma Gerlovina haben sich in "Zoo-Homo Sapiens" Gedanken darüber gemacht. - © Rimma Gerlovina, Valeriy Gerlovin, photo: Victor Novatsky