Zwar geht es in beiden Ausstellungen um "Das Thema der Menschheit" (Johanna Schwanberg zu ihrer Konzeption der Ausstellung "Mahlzeit" für das Dommuseum) und dabei die vielschichtigen Fragen, wie die Kunst sich mit der Esskultur auseinandersetzt. Anfangs könnte hier Bert Brecht als Erinnerung auftauchen, der 1968 mahnend das "Fressen" vor die Moral ordnete, jedoch steht heute eher die Marktorientierung am Prüfstand. Auch die der Museen, die einem Mainstream folgend, nun breit essenzielle Themen wählen, in der Hoffnung auf größere Publikumsresonanz. Damit reiht sich Gesellschaftspolitisches vor die Ästhetik, was die Marginalisierung der Kunst vorantreibt.

Schneller kochen

Im Möbelmuseum stellen Eva Ottillinger und Marlene Ott-Wodni die Tischkulturbeiträge von Amboss Design vor, eine Firma, die 1950 bis 1970 im Steyrtal auf neue Bestecke, aber auch Party-Design setzte und für einen fortschrittlichen Markt produzierte. Am reich gedeckten Tisch der Wirtschaftswunderjahre herrschte zwar das traditionelle Familien- und vor allem Frauenbild, doch die Anpassung an breite Gesellschaftsschichten zeigte sich in der Verwendung von rostfreiem Stahl, der das Silberbesteck ablöste.

Kochbuch Dr. Oetker, 1950er Jahre. - © Privatbesitz / Möbelmuseum
Kochbuch Dr. Oetker, 1950er Jahre. - © Privatbesitz / Möbelmuseum

Bekannte Designer wie Carl Auböck, Helmut Alder oder der Bildhauer János Megyik entwarfen neben Varianten von Bestecken beliebte Fondue-Sets, Eierspeis-Pfannen und besondere Flaschenöffner in Fischform. All das passte zu den praktischen SW-Möbeln, Lilien-Porzellan und bunten Gläsern. Diese oft wild geschwungenen, aber auch mit Holzgriffen, Leder oder Rohrgeflecht praktisch kombinierten Entwürfe kamen in künstlerische Verpackung aus nachhaltigen Materialien. Die schwarz-rote Grafik und erfolgreiches Produktdesign bescherte der Firma wegen früh gelungener Vermarktungsstrategien zahlreiche Preise.

Die Produkte verbreiteten sich schnell ins Ausland bis Chicago. Ab 1954 wurden Bestecke, Eierbecher, Salzstreuer und Co. erfolgreich auf den Triennalen von Mailand vorgestellt und in Architekturzeitschriften hochgelobt.

Das bessere Kochen war ein schnelleres, die Ausstellung ist daher zudem mit Werbeplakaten und alten Kochbüchern, Lilienporzellan und Kücheneinrichtungen, sowie der durch Fotografien und Archivmaterial gut aufbereiteten Geschichte der Firma Neuzeughammer Ambosswerk erweitert.

Es gibt von den Beispielen höfischer Tischkultur bis zu gedeckten Tischen im Gemeindebau zahlreiche Varianten, die den gesellschaftlichen Wandel übers Essdesign sichtbar machen. Die Nachnutzung des alten Fabriksgebäudes, aber auch der Pigmente aus der Porzellanindustrie stehen am Schluss. Ab 1963 arbeitete die Firma Amboss mit dem deutschen Porzellanhersteller Rosenthal, 1969 wurde sie übernommen, nach Bayern verlegt, Teile der Gebäude abgerissen. Doch das Erbe wurde mit einem sanierten "Haus Amboss" durch das Designerduo Lucy.D und Beate Seckauer angetreten, deren "Callisto"-Kollektion der "NEU/ZEUG Porzellan- und Lampenmanufaktur" zu besonderen Entwürfen auch die Pastellfarben-Pigmente von "Daisy" (Firma Lilienporzellan) übernehmen.

Die drei Ausstellungsräume des Dommuseums und der Aufgang warten mit einer Fülle an geformten wie gemalten "Labstücken" (Franz West) der Kunst zum Thema "Mahlzeit" auf, zudem drei Tische in deren Mitte, von Sonja Alhäuser, die auch Magarineschnitzen nach Joseph Beuys und Dieter Roth betreibt, aus Recyclingblechen von Götz Bury und eine Tischvitrine mit Kakteen von desertArtLAB. Erste und letzte Mähler, Sinneslust und Vergänglichkeit, Tischgemeinschaften, Politik am Teller, sowie Alleinsein und Selbstreflexion (übers Essen) sind die fünf Themen, die alte und gegenwärtige Kunst verknüpfen, teils mit bekannten Vertretern wie dem Erfinder der "Eat Art", Daniel Spoerri - gefolgt von einem Geschirrobjekt Ramiro Wongs. Künstlerinnen wie Maria Lassnig, Marina Abramović, Izumi Miyazaki, Maja Vukoje, Zina Saro-Wiwa oder Maha Malluhs Blechtöpfe aus Saudi-Arabien bieten eine weltumspannende Sicht auf Kunstköchinnen.

Historische Relevanz

Die gelungene Zusammenstellung könnte jedoch mit weniger Exponaten besser vermittelt werden, da Üppigkeit der Essenkunst inhaltlich mehr auf Armut, Mangel, Kolonialismus, Gesellschaftshierarchien und Umweltzerstörung nachspüren.

Der vielseitige Ansatz, die Gegenüberstellungen ab dem Mittelalter, auch der Gegensatz von hoch ästhetischem und ekligem Auftritt, könnte gerafft größere Wirkung erzielen.

So geht bei dem angeblich vorrangigen Thema der Menschheit subtile Einzelwirkung von Labstück, Körperprojekt oder Kunst aus Brot (Anna Paul und Nelson Jalil) durch Platzmangel verloren.