Eine Retrospektive der in den 1950er Jahren in Zagreb noch in der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien geborenen performativen, konzeptualistischen, feministischen und aktivistischen Künstlerin Sanja Iveković würde man eher im Mumok vermuten, die Direktorinnen der Kunsthalle berufen sich allerdings in ihrer kollaborativen Arbeit auf sie als großes Vorbild, deshalb ist sie in der großen Halle und im Stiegenhaus mit ihren wichtigsten Arbeiten zu sehen.

Die Architektur für die teils schwierigen Medien (alte Zeitungen, Filme und Fotografien) stammt von Ana Martina Bakić, die Kuratorin Zdenka Badovinac hat bereits 1998 im Team Konzepte mit ihr entwickelt.

Tödliche Geschichte

Den feministisch-aktivistischen Themen folgend, ist die unmittelbar sichtbare Intervention eine von überall verstreut liegenden roten Aufrufen zur Erinnerung an vergessene Aktivistinnen auch hier in Österreich. Und die meisten, die wir hier aus einem sich wandelnden Geschichtsverständnis angeblich aus der Erinnerung ins Vergessen überführen, sind nach wie vor Frauen. Doch hauptsächlich ist die zum Teil auch humoristische Praxis der Künstlerin auf die Wendezeit und die kollektive Amnesie gegenüber den Frauenschicksalen im vormaligen Ostblock gerichtet.

So kommt auch biografisch ihre Mutter neben den wichtigsten ermordeten Partisaninnen zu Wort, selbst in einem parallel publizierten Gedichtband von Nera Šafarić-Iveković. Er vereint Texte, die während ihrer Lagerhaft in Auschwitz geschrieben wurden. Die Praxis bezieht sich insofern in die jeweilige Gegenwart als für die zu verhandelnden Frauenschicksale auch Supermodels aus den 1990er verwendet werden, unter deren Posen sie die tödliche Geschichte der historischen Kämpferinnen platziert.

Bereits der Titel der Schau nimmt Bezug auf Massenmedien: Eine Werbung für Schmuck mit einem Herzanhänger "Works of Heart" zum Valentinstag war neben der Meldung der Schüsse auf dem zentralen Marktplatz auf Passanten in Sarajevo 1994 platziert. Die dokumentarische Aufnahme einer verwundeten Frau ist nun am Ende der Ausstellungshalle vergrößert zu finden, erweist sich als das Schmuckmodel am Anfang.

Anfangs publizierte Iveković viele Werke nur in Zeitschriften. Dazu kommt mittig ein langer Tisch mit Monitoren für die wichtigsten Videoarbeiten, ein Wachturm mit Video, ein Kleiderberg, an den Wänden Fotomontagen, Doppelbilder, Collagen und Zeichnungen, dazu ein paar Einzeltische für Arbeiten wie die zu Rosa Luxemburg und Räume für ihre installativen Filme mit Pflanzen oder vielen eingehängten Flachbildschirmen - viele mit Sound.

Besondere Sounds spielten schon bei ihren performativen Interventionen eine große Rolle - 1974 "Eröffnung bei Tommaseo", 1976 im Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb und 1977 in der Galerie Tommaseo in Triest. Ihr Herzschlag wurde damals aufgenommen, während sie die Besucher mit Klebeband über dem Mund empfing.

"Neue Kunstpraxis" nannte sie neben Hören auf das Herz auch die verfremdenden Schminkanweisungen oder Stecknadeln in Gesichtern am Papier als Zeichen der Gewalt an Frauen weltweit. Ihre Doppelstrategien verhandeln die fehlende Erinnerung an Mordopfer, verschwundene Prostituierte bis zu den Raumpflegerinnen und Ungehorsamen, die immer noch auf die Revolution warten.

Manche Serie wie jene über Marilyn Monroe wirkt überholt. Aktuell sind ihre Geschichten aus dem "Frauenhaus" durch den Iran, die Türkei, auch Russland, daher ist es legitim die feministische Schiene zurück bis zu den Sprachattacken auf Hexen zu lenken. Feministische Onlineprojekte aus Zeit der Corona-Pandemie sind angeschlossen. Ihre "Persönlichen Schnitte" sprechen von internationalen Vorbildern wie Yoko Ono, der biografische Blick auf die verweigerte Erinnerung oder Konsumwahn aus Südosten trägt aber deutlich ihre Signatur.