Und alles steht Kopf: Wenn der Austropop das Theatermuseum erobert, dann hängen Instrumente, Sitzgelegenheiten und sogar ein Nackerter von der Decke. Die neue Direktorin des Hauses, Marie-Theres Arnbom, hat sich für ihre erste Ausstellung ein auf den ersten Blick ungewöhnliches Thema ausgewählt, das aufgrund der breiten Auslegung aber durchaus Sinn macht. "Von Mozart bis Falco" lautet dementsprechend der Untertitel, dem die auf sieben Räume verteilte Präsentation nachkommt.

Wobei die beiden großen Zugpferde gleich zu Beginn auftauchen: Als "Sprengung der Welt" verstehen Arnbom und ihr aus sieben Kuratorinnen und Kuratoren bestehendes Team den Pop. Subversivität und Gesellschaftskritik spielen dabei zentrale Rollen, womit auch der Bogen zu Mozart, Emanuel Schikaneder oder Johann Nestroy geschlagen wird. Eine knallige 60er-Jahre-Tapete wechselt mit historischen Handschriften als gestalterischer Hintergrund, vor dem Kostüme aus Mozart-Aufführungen ebenso gezeigt werden wie eine Falco-Figur inklusive Gitarre oder etliche Plattencover.

Große Künstler in großen Posen

"Sie werden Zeuge eines fast anarchistischen Prozesses", hatte Arnbom die Presseführung am Montag angekündigt und damit auch auf die kollaborative Entstehung des Projekts angespielt. Im Rundgang selbst wird das im Sinne von Punk und Rock'n'Roll nicht ganz eingelöst, aber immerhin mit ein paar Referenzen an Stefan Weber und Drahdiwaberl angerissen. Auch die Idee, einen in Zwangsjacke gewandeten Falco aus dem "Jeanny"-Video in einem langen, ganz in weiß gehaltenen Gang zu inszenieren, ist stimmig. Doch natürlich sind die Sprünge groß und werden hauptsächlich die wesentlichen Eckpunkte dieses historischen Streifzugs abgegrast: Für eine Hommage an das legendäre Hawelka und Georg Danzer ("Jö, schau") wurde ein Nackter an der Decke platziert, wenige Schritte weiter begegnet dem Publikum Conchita Wurst im "Sound of Music"-Outfit.

Das Austropop-Event schlechthin sei aber ohnedies das jährliche Neujahrskonzert, meinte Arnbom, womit man auch bei Johann Strauß und in weiterer Folge bei der Welt der Operette angelangt wäre. In diesem Kontext wird in der Ausstellung, die nach der morgigen Eröffnung ab Mittwoch zu sehen ist, auch diskutiert, was einerseits in Österreich und andererseits international reüssieren konnte. So kam man am Broadway etwa kaum an Heinrich Bertés "Das Dreimäderlhaus" vorbei, während das hierzulande doch etwas anders aussieht. Über einen kurzen Abstecher in die Welt des Sports (von "Schifoan" bis zu singenden Fußballern) gelangt man schließlich zum "klassischen" Austropop: Hier glänzen beispielsweise Rainhard Fendrichs Gold- und Platinschallplatten um die Wette, wird daneben aber auch der Zwist zwischen Ö3 und den Stars der Szene beleuchtet.

Zum Mitmachen lädt wiederum eine eigens eingerichtete Bar ein, die nicht nur eine Reminiszenz an bekannte Lokale wie das U4 darstellen soll, sondern mit einer kleinen Karaoke-Bühne sowie einem Wurlitzer Gesangstalent und -willigkeit der Besucher auf die Probe stellt. Zum Schluss verschwimmen dann die Grenzen, gibt es Merchandise der jüngeren Szene (von Bilderbuch bis Kreisky), ein großes Wandbild als Familienaufstellung von Künstler Lukas Hüller sowie den echten Theatermuseum-Shop mit zur Schau passenden Objekten - und damit auch reichlich Musik.

Das "große Theater", das laut Arnbom die Popstars vergangener und heutiger Zeiten mit ihren Shows immer auch abliefern, es wird in dieser mit etlichen Leihgaben gespickten Schau durchaus vor Augen geführt. Ein Spektakel schaut zwar anders aus, dennoch gelingen etliche schöne Momente, wenn sich Historie und Moderne vermischen. (apa)