Als "Fäkalkünstler" bezeichnete Jörg Haider den Kärntner Künstler Cornelius Kolig. Als Haider, mittlerweile Kärntner Landeshauptmann, dem Verachteten dann doch mehr nolens als volens den Preis des Landes Kärnten überreichte (oder überreichen musste, weil selbst Haider sich nicht von allen kulturpolitischen Fesseln befreien konnte), erschien Kolig zur Verleihung mit Greifzangen, um nicht mit Haider in Berührung zu kommen.

Nun ist Cornelius Kolig in der Nacht auf Montag im Alter von 80 Jahren gestorben.

Das Reiben an gesellschaftlichen Tabus und die Arbeit damit war für Kolig lange Zeit Programm. Sanft von Wesen, aber von unbeirrbarem Geist hinterfragte der  Schüler von Josef Dobrowsky und Max Weiler die Tabus. Er verwendete neue Materialien, mitunter auch Röntgenbilder. Die Wiener Galerie nächst St. Stephan förderte den am 7. September 1942 geborenen Künstler schon knapp nach 1960 mit Einzelausstellungen.  

Cornelius Kolig bei der Arbeit an den umstrittenen Fresken für das Kärntner Landhaus. 
- © apa / Gert Eggenberger

Cornelius Kolig bei der Arbeit an den umstrittenen Fresken für das Kärntner Landhaus.

- © apa / Gert Eggenberger

Das "Paradies" als Gesamtkunstwerk

Koligs Großwerk war das "Paradies". Auf 6000 Quadratmetern im Gailtaler Vorderberg errichtete er einen Begegnungsort inmitten von üppiger Natur und eigenwilliger Architektur. Die Gebäude heißen Pantheon, Sixtina und Dolina, Kuhstall und Saustall, rechte und linke Niere und - als jüngster Zubau - Konzerthaus. Das Gesamtkunstwerk, das 2003 durch ein Unwetter schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, war für Kolig Archiv, Lebens- und Ausstellungsort und wird nun auch seine letzte Ruhestätte sein.

Bekannt wurde der Enkel des spätexpressionistischen Malers Anton Kolig (1886-1950) durch einen der typisch österreichischen Kunstskandale: Der damalige Kärntner Landeshauptmann Christof Zernatto erteilte Kolig den Auftrag, den sogenannten Kolig-Saal des Kärntner Landhauses neu zu gestalten. Im Saal befanden sich Fresken, die Koligs Großvater Anton Kolig in spätexpressionistischem Stil gemalt hatte. Sie wurden von den Nationalsozialisten zerstört.

Da sich unter den Arbeiten Cornelius Koligs auch Abgüsse von Kot ebenso finden wie Darstellungen von Penissen und Vulven, entstand eine von Jörg Haider befeuerte Diskussion, ob Cornelius würdig genug sei, dem von seinem Großvater Anton seinerzeit gestalteten Saal ein neues Aussehen zu geben.

Trotz der heftigen Angriffe auf den Künstler durch Jörg Haider und die Boulevardpresse, hielt Zernatto an dem Auftrag fest. Cornelius Kolig nahm die alten Fresken, von denen es Fotos gibt, als Vorlage und schuf daraus eigene Bilder, die er durch Installationen ergänzte. (eb/apa/maf/cm)