Monets Garten ist schön. Traumhaft schön sogar. Man kann ihn in Giverny besuchen. Das ist in der Normandie in Frankreich. Und nicht in St. Marx in 1030 Wien. Das suggeriert freilich eine neue Ausstellung aus der Kategorie "Event" in der Marx Halle. Sie heißt "Monets Garten" und wurde bereits Monate vor Eröffnung sehr ausgiebig auf Facebook und Co beworben. Da sah man auf einem Bild eine üppige Glyzinie über Monets japanische Brücke wuchern, die Ankündigung verhieß, man könne direkt in Monets Kunst eintauchen.

Nun, Teil der Bilder von Claude Monet kann man hier auch wirklich werden. Nicht nur in einem "immersiven Raum", in dem man rundum mit Projektionen von Seerosen und anderen impressionistischen Meisterwerken bestrahlt wird, während ein Film mit biografischen Episoden läuft. Auch mittels der App Instagram: Ein Filter sorgt dafür, dass erst die Figuren aus Gemälden wie etwa "Frühstück im Grünen" oder "Frau mit Sonnenschirm" heraustreten, dann muss man sich auf einen markierten Platz vor dem Bild stellen und kann mitfrühstücken. Theoretisch. Denn in der Realität sehen die Bilder ein bisschen so aus, als hätten sich Pappaufsteller in einer seltsamen Übergangswelt zwischen Zwei- und Dreidimensionalität in Pixelfiguren verwandelt. Und ohne Begleitperson, die das Foto macht, braucht man diese Ausstellung gar nicht erst zu besuchen - für Selfies eignet sich die Funktion schon gar nicht.

Niederschwellig mitmachen

Das ist irgendwie ungünstig in einer Schau, die auf Niederschwelligkeit durch Mitmach-Aktionen setzt. Dafür gibt es aber noch weitere Gelegenheiten, vor allem in jenem Teil der Schau, in der Monets Seerosenteich mitsamt Brücke und Haus "nachgebaut" sind. Auf einer großen (digitalen) Leinwand kann man mit den eigenen Bewegungen impressionistische Farbtupfer in Wallung bringen - und sich durchs Fenster dabei fotografieren lassen. Dort liegen auch ausgedruckte Seerosenzeichnungen, die man individuell ausmalen kann, dann einscannen und auf diese Weise digital in den Teich bugsieren - wo man die Blüte wieder fotografieren kann und anschließend auf Instagram posten. Denn, man wird das Gefühl nicht los: Die Kunstvermittlung ist hier nicht die oberste Priorität, sondern die Werbung, die der Besucher in der Ausstellung für die Ausstellung in den Sozialen Medien generiert. Ein legitimes Geschäftsmodell, das mit Horden von Schulklassen sicher gut funktionieren wird. Wer sich wirklich für Monets Kunst und Garten interessiert, den werden die Plastikglyzinien und Efeuranken aus Kunststoff eher abschrecken. Zumal zum Eintrittspreis von bis zu 25 Euro.

In Monets Plastikblumengarten. - © Philipp Lipiarski
In Monets Plastikblumengarten. - © Philipp Lipiarski

Monet taucht auch in einer weiteren Event-Schau auf, die derzeit in Wien gastiert: "The Mystery of Banksy - A Genius Mind" in der Stadthalle. Der hochdotierte Street Artist hat in der Arbeit mit dem Wortspieltitel "Show me the Monet" Einkaufswagerl im Seerosenteich versenkt, um seinen Lieblingsfeind, den Auktionsmarkt, zu kritisieren. Der Ausstellung, die bereits in Linz, Graz und diversen deutschen Städten zu sehen war, sieht man an, dass sie von einem Musical-Produzenten (Oliver Forster) organisiert wurde: An Kulissen wurde nicht gespart. Noch vor dem Start steht eine Installation mit roter Londoner Telefonzelle, die im Boden versinkt. Weiter geht es durch eine von einem Affenpagen bewachte Tür ins "The Walled Off Hotel" - eines der aktivistischeren Projekte des Künstlers im Westjordanland. Die Lobby des Hotels ist samt Piano und Überfluss an Überwachungskameras nachgebaut. Ebenso wie in einem anderen Raum der in Tapetenmuster getarnte Elefant aus der "Barely Legal" Ausstellung in Los Angeles von 2006.

Was ist schon echt?

Auch eine Londoner U-Bahnstation ist nachgebildet, inklusive betretbarem Waggon mit Rattendekor - im Covid-Lockdown machte der Street Artist einmal eine Aktion in der Metro. Die Schau wirft einen sehr ausführlichen Blick in Banksys Oeuvre, jedes Exponat hat einen durchaus kundigen Begleittext. Viele Bilder hängen hier im Goldrahmen, manche sind als Wandmalerei ausgestellt - mitunter, um Authentizität zu suggerieren, hinter schützendem Plexiglas, wie es auch bei Banksy-Werken in freier Wildbahn vorkommt. Der Umgang mit der Frage "Was ist hier eigentlich echt" ist naturgemäß auch in dieser Ausstellung eines Künstlers, der von Copyright ohnehin nichts hält, ein schmaler Grat. Aber anders als in der mittelseriösen Ausstellung, die vor zwei Jahren in Wien zu sehen war, gibt man hier wenigstens gleich zu, dass es sich beim Gezeigten ausschließlich um Reproduktionen handelt.