Das Familienunternehmen Hagenauer war in Sachen Metallkunst eine Fortsetzung der wichtigsten Ideen der Wiener Werkstätte.

Vater Carl Rudolf (1872 bis 1928) zog mit seiner Firma nach Wien Neubau, wo um 1900 fast 200 Handwerksbetriebe ansässig waren. Seine Söhne Karl (1898 bis 1956) und Franz (1906 bis 1986) führten den Betrieb gemeinsam mit ihrer Schwester Margarethe weiter, beide studierten nach einem Kurs in der Jugendklasse Franz Čižeks bei Josef Hoffmann, Anton Hanak und Dagobert Peche an der Kunstgewerbeschule, aber sie teilten die avantgardistische Auffassung von Adolf Loos, dass Gebrauchsgegenstände nicht unbedingt als Kunst gesehen werden müssten.

Die Totenmaske von Loos, gefertigt von Franz Hagenauer, lag deshalb immer in dessen Atelier. 2014 erwarb das MAK die Hinterlassenschaft der Firma mit Hilfe einiger Sammler und legte ein Archiv an, das nun ein Teil der Schau im Wiener Werkstätte-Saal oberhalb der Highlights von 1900 ist: Am Beginn stehen aber in einem großen Setzkasten die bekanntesten Objekte und Figuren, daneben auch Möbel des Werkstätte-Mitarbeiters Julius Jirasek.

Die Kuratorinnen Anne-Katrin Rossberg und Maria-Luise Jesch ermöglichen mit dem Designerstudio Polka nicht nur den Blick in zahlreiche Laden des Archivs und auf die hervorragendsten Beispiele. Neben übersichtlichen Biografien gibt es auch die chronologische Entwicklung zu sehen, vom Historismus und floralen Jugendstil der kleineren Produktpalette des Vaters bis zu den Werken der beiden Söhne: bildhauerische Köpfe, Büsten, Kirchentore, Lampen, sowie neben Rohlingen und Modeln auch Schalen, Dosen, Korkenzieher, Aschentöter, Türgriffe und Wandhaken. Diese Objekte waren mit ihrer reduzierteren Formensprache sehr beliebt für Innen-Ausstattungen ab 1930, aber auch im Außenraum der Stadt bis 1950. Im restaurierten Parlament nach 1945 sind etwa Adler, Fahnenstangen und Uhren von Hagenauer.

Perfektioniertes Handwerk

Karl und Franz wurden auf den Biennalen in Mailand und Venedig mehrmals ausgezeichnet. 1925 schuf Franz in Paris den Kultraum mit Tor des heiligen Georg in der wichtigen Schau moderner dekorativer und industrieller Künste.

Der Export ihres perfektionierten Handwerks reichte schon 1930 in Filmen mit Greta Garbo bis Hollywood, Barbara Streisand, Frank Sinatra und Andy Warhol besaßen Objekte, aber auch bis Japan und Hongkong. Bekannt sind die Brüder vor allem für ihre Tierdarstellungen von fechtenden Affen bis zum Fantasiewesen Ranunkel, einer Maus mit Hörnern. Es gibt manieristische Kühlerfiguren und neben den Beispielen klassischer Moderne nach 1945, wie die Gitter am Heinrichshof, dazu wurde ein Rohrwinkelpatent für drehbare Stehlampen 1950 erworben. 1971 zuletzt im Mak gezeigt - da war Franz noch fünf Jahre Professor für Metallgestaltung an der "Angewandten" - ging dieser Schau mit 270 Objekten eine im Leopold Museum voraus, 2011 war die Hagenauer-Werkstätte in der Postsparkasse zu sehen. Der Trend am Kunstmarkt wie in der Forschung hält also an. Auch wenn sie sich mehr als Handwerker sahen denn als Künstler, sind sie zweifelsohne die Erben und Nachfolger der Wiener Werkstätte gewesen.