Die Bildhauerin Veronica Ryan hat den heurigen Turner Prize erhalten, die bedeutendste britische Auszeichnung für moderne Kunst. Die 66-Jährige wurde am Mittwochabend für ihre Arbeiten über die sogenannte Windrush-Generation, Einwanderer aus früheren britischen Kolonien in der Karibik, sowie die Coronapandemie geehrt, wie die Veranstalter in Liverpool mitteilten.

Den mit 25.000 Pfund (28.933 Euro) dotierten Preis überreichte Sänger Holly Johnson von der Band Frankie Goes To Hollywood.

Ryan wurde 1956 in Plymouth, Montserrat (auf den Kleinen Antillen) geboren und kam als Kind mit ihren Eltern nach London. Bereits als Schülerin entwickelte sie ein Interesse an Kunst. Sie studierte am Hertfordshire College of Art and Design, an der Bath Academy of Art, am University College London und an der School for Oriental and African Studies.

Veronica Ryan gilt als eine der herausragenden Gegenwartskünstlerinnen. 
- © apa / afp / pool / Steve Parsons

Veronica Ryan gilt als eine der herausragenden Gegenwartskünstlerinnen.

- © apa / afp / pool / Steve Parsons

Abstrakte biomorphe Formen

Von Beginn an gehörte Ryan zur den britischen Modernisten. Sie verarbeitete Einflüsse von Eva Hesse, Louise Bourgeois, Alice Aycock und Barbara Hepworth. Nach einem prägenden Aufenthalt in Nigeria begann sie einerseits Quasi-Magisches und Zeichenhaftes in ihre Arbeiten zu integrieren, andererseits kombinierte sie dauerhafte und nicht-dauerhafte Materialien.

Ryan arbeitet vorzugsweise mit schweren dauerhaften Materialien wie Zement, Bronze oder Gips, die sie mit leichten und weniger dauerhaften wie Blumen und Federn kontrastiert. Ihre Werke sind abstrakt und scheinen biomorph, sie beziehen sich auf Formen wie Muscheln, Samen oder Nester. Die Jury des Turner Preises hob denn auch die poetische Qualität von Ryans Werken hervor.

Obwohl sie mit ethnischen Bezugspunkten umgeht, sagt sie von sich: "Verschiedene Menschen kritisieren mich stark, weil ich nicht in ihre politische Agenda passe." (red/apa/maf)