The Fest" beruht auf der Entscheidung von MAK-Direktorin Lilli Hollein, mit einer Themenschau als erster Programmierung von ihrer Seite Brigitte Felderer als Gast-Kuratorin zu beauftragen. Diese hat, unter anderem mit Olga Wukounig, Anne-Katrin Rossberg und Peter Sandbichler (Architektur), ein großes Team gebildet, das die einzelnen Abteilungen des Museums umfasst, die Angewandte ebenfalls einbezieht und somit viel Gegenwartskunst für diese Neuaufbereitung eines zuletzt in den 1980er Jahren beliebten Ausstellungsinhalts. Sandbichler verwendet Fahrradkartons als billiges und umweltbewusstes Material, das ephemeren Charakter besitzt und in dieser Hinsicht an eine Festarchitektur erinnert. Er baut für die Opulenz der mehr als 650 Exponate eingehängte Deckenskulpturen, manieristische Krümmungen mit Bühnencharakter und umschließende Einhausungen auf kitschlose Weise.

Den Orient vereinnahmen

Mit einem sich bewegenden Spiegel von Nicole Six und Paul Petritsch werden wir selbst hineingeholt, historische Spiegel erinnern an die vorerst dem Adel zugehörigen Feste, auch Verweise auf nächtliche Schlittenfahrten der Aristokratie durch verschneite Städte finden sich hier, die Feuerwerke des Adels, die Festarchitekturen und Opernaufführungen, die Anlässe wie dynastische Hochzeiten begleiteten. Dabei wird die Herkunft des Feuerwerks aus Ostasien (China) nicht vergessen. Der postkoloniale Gedankenstrang ist einer von vielen, der die Erzählung durchzieht. Maria Theresia und ihr Mann Franz Stephan sind im türkischen Kostüm zu sehen: Die Monarchin liebte die exotische Inszenierung, in der Asien und der Orient europäisch vereinnahmt wurden.

Aufwendige Stiche, Bilder, historistische "Exzessmöbel" (Sebastian Hackenschmidt), Kostüme, Partydekor und Scherzgefäße, aber auch Fotos und Filme begleiten den Parcours im MAK. Ein Schlitten aus der Wagenburg ist als "Rokoko-Bugatti" zugegen, und der "Haller-Schmuck" zu den Festkleidern, die, wenn nicht erhalten, auf höfischen Porträts zu sehen sind. Wie die Stiche überliefern sie uns jene experimentellen, perspektivisch aufwendigen Architekturen - schon damals oft aus bemalter Pappe.

600 Jahre Habsburgerfeste münden in die legendären Künstler-Gschnasfeste der Secession und dann nach 1945 (die schalen "Walzerträume" der Ständestaat- und Nationalsozialisten-Propaganda werden nicht gezeigt) in jene Zusammenkünfte im Künstlerhaus, die durch Plakate, Fotos und Filme festgehalten wurden. Dabei soll einst Direktor Albert Paris Gütersloh als nackter Bacchus durch die Akademie getragen worden sein. Eine solche Anekdote wird von der Gruppe Gelatin, die Kunst als Fest feiert, in Zeiten von Social Media natürlich ebenso thematisiert wie die Kacker auf den Brueghel-Stichen über alte Bauernfesten und der Phalluskult der antiken Theater- und Mysterienspiele. Am 13. April 2023 wird in der Schau ein Künstlerfest veranstaltet; es bleibt zu hoffen, dass die im Fest traditionell erlaubten Umkehr der Weltgewalten abermals subversive Kraft entfesselt - trotzdem unsere Schamschwelle im Sinne der politischen Korrektheit in den Vorjahren nur partiell gesunken ist.

Eine Licht-Intervention mit Murano-Luster (als "Möbel der Lüfte" nach Peter Rath) von Cerith Wyn Evans kombiniert einen Vortrag zur Sternenfotografie (von Siegfried Marx) am Bildschirm mit Morsezeichen: Das chaotische Treiben am Himmel passt zu dem Festgewühl auf den Straßen, zurück bis zu Dionysos und Gefolge. Filme übermitteln nicht nur legendäre Feste oder Festumzüge, sondern zeigen auch die von Christian Dior inszenierte Hollywoodshow "Parade der Riesen" mit Salvador Dalí 1951 in Venedig und Clubbings von heute. Die Inszenierung der Ersten-Mai-Feiern, die der adeligen Festkultur in Sachen Massenmobilisierung folgten, bildet ein Kapitel mit Film, Fotos, Flugzettel, Fahnen und Plakaten. Dresscode und verlangte Sexyness soll uns ein wenig warnend erinnern, wie Corona das kollektive Abtanzen verhinderte.