Der Schweizer Maler und Fotorealist Franz Gertsch ist tot. Er starb am Mittwoch mit 92 Jahren im Spital, wie der Geschäftsführende Direktor des Museums Franz Gertsch am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Gertsch zählt zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart. Mit seinem reichen malerischen und grafischen Werk und seinen großformatigen hyperrealistischen Porträts hat er sich international einen Namen gemacht.

Geboren wurde Gertsch 1930 in Mörigen am Bielersee. Nach seiner Ausbildung in Bern machte er sich zuerst einen Namen mit Holzschnitten, Mitte der 60er-Jahre entstanden auf Fotovorlagen basierende Collagen aus eingefärbtem Papier. 1969 malte Gertsch das erste großformatige fotorealistische Bild. Es beruhte auf der Projektion eines Kleinbilddias. Bald machte Gertsch selber Fotos und übertrug die Motive in langer Arbeit, die bis zu einem Jahr dauerte, und unter Einsatz des Diaprojektors auf Baumwolltuch.

Die vier Jahreszeiten

Mit 77 Jahren nahm Gertsch ein neues, großes Werk in Angriff: die Darstellung der vier Jahreszeiten. Es handelte sich einmal mehr um Bilder von großen Dimensionen: "Winter" misst 3,25 auf 4,8 Meter. Auf diesem Bild malte Gertsch erstmals Schnee.

In der Wiener Albertina modern werden ab dem 24. Februar 2023 fünf großformatige Arbeiten von Gertsch im Rahmen einer groß angelegten Print-Ausstellung präsentiert. "Franz Gertsch hat mit seinen monumentalen Holzschnitten wie wenige die Kunst der Druckgrafik revolutioniert. Die Monumentalisierung seiner Arbeiten, das Verhältnis zwischen Fotografie und künstlerischer Umsetzung hat ihn seit den späten 60er Jahren zu einem der einflussreichsten Schweizer Künstler gemacht", zeigte sich Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder von der Todesnachricht bestürzt. "Die Besuche bei Franz Gertsch in der Schweizer Einschicht gehören für mich zu den kostbarsten Begegnungen, die ich überhaupt mit Künstlern je erleben durfte", so Schröder am Donnerstag in einer Aussendung. (apa/sda)