Seit 1998 hatte Kurator Wolfgang Krug die Spezialisierung des Themas Bergwelt in der Malerei und Fotografie um 1900 im Blick. Nun zeigt die Landesgalerie Niederösterreich in Krems mit "Alpine Seilschaften. Bergsport um 1900" in ihrer großen Kellergalerie und beleuchtet dieses wichtige Thema, das Kunst und Sport verband wie sonst selten in der Kunstgeschichte.

Da die Rax als Übungsgelände des in Wien 1862 gegründeten Alpenvereins erschlossen wurde, aber auch Semmering und Schneeberg neben den Dolomiten und dem Großglockner wichtige Motive waren, kann es für das Land Niederösterreich als berechtigte Fragestellung gelten; jedoch sind die meisten der beteiligten Künstler Spezialisten. Die Werke kommen somit aus Vereinen oder privaten Sammlungen. Eingangs hängt ein Panoramablick mit Almrausch pflückender Maid das sich über das Semmering-Rax-Gebiet spannt von Gustav Jahn (1879 bis 1919). Es kommt als Ausstattungsstück aus dem Südbahnhotel.

Gustav Jahn: Winterlandschaft mit Skifahrern. 
- © ÖTK Österreichischer Touristenklub

Gustav Jahn: Winterlandschaft mit Skifahrern.

- © ÖTK Österreichischer Touristenklub

Bergsteigen wird zur Massenbewegung

Neben Jahn waren es sein ebenso alpinbegeisterter Freund Otto Barth (1876 bis 1916) und zwei begabte Fotografen sowie eine selbst sportlich aktive Sportwarenausrüsterin mit Geschäft in der Wiener Kaiserstraße, die mit ihren Aktivitäten das Bergsteigen wie das alpine Skifahren durch gute Werbung zur Massenbewegung steigern konnten.

Otto Barth: Morgengebet auf dem Großglockner (1911). 
- © Alpenverein-Museum / Österreichischer Alpenverein

Otto Barth: Morgengebet auf dem Großglockner (1911).

- © Alpenverein-Museum / Österreichischer Alpenverein

Egal, ob es um Gemälde, Grafiken und Plakate oder um illustrierte Bücher und Fotografien ging: Jahn und Barth als Maler, Fritz Benesch (1868 bis 1949) als im Eisenbahnministerium tätiger Werbefachmann und Fotograf, der Hüttenwirt des Ottohauses auf der Rax, Camillo Kronich (1876 bis 1958), der mit seiner Kamera die einsamen Schneelandschaften einfing, sowie die Sportlerin und Ausstatterin Mizzi Langer-Kauba (1872 bis 1955), bildeten eine Gruppe, die nun auch die Schau in fünf Kapitel strukturiert.

Langer-Kauba schaffte es auch als Kletterin, dass die Langerwand in Rodaun nach ihr benannt wurde. Sie wechselte vom Rock zur Hose für das Skifahren, und sie gewann auch Rennen. Die großen Schneebilder mit Rodlern und Skifahrern von Jahn hängte sie im Geschäft auf. Jahn wiederum baute selber Sprungschanzen und wurde von Ferdinand Andri porträtiert.

Gustav Jahn: Bergsteiger in den Dolomiten (undatiert). 
- © ÖTK Österreichischer Touristenklub

Gustav Jahn: Bergsteiger in den Dolomiten (undatiert).

- © ÖTK Österreichischer Touristenklub

Die alten Alpen-Ski von Pioniererzeuger Mathias Zdarsky, der damals übliche Bambusstock dazu und die Leobener Stahlrodel stehen neben vielen Plänen, Postkarten, Plakaten und Büchern, dabei auch die gut illustrierten Produktkataloge der Langer. Sie sind erläuterndes Beiwerk zu den Gemälden. Dazu kommt eine Diaschau nach digitalisierten Glasnegativen von Benesch, der auch Mitglied der k.u.k. Photographischen Gesellschaft war und 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis für seine Bergaufnahmen ausgezeichnet wurde. Im Ministerium auch Fremdenverkehrsreferent, trug er mit seinem "Special-Führer auf die Raxalpe" zum Massentourismus bei. Dazu lieferte er auch Plakate für das Gesäuse, die Karawanken, die Dolomiten oder das Karwendel und den Gardasee.

Auch ein Geschäft
ist der Bergsport

Hüttenwirt Kronich kann mit eingefärbten Schnee- und Bergsportaufnahmen aufwarten; er hatte sein Imperium durch die erste Seilbahn auf die Rax, Klettersteige und ein Hotel, den Knappenhof, schnell erweitert.

Der Künstler als aktiver Bergsteiger: Gustav Jahn am Inntalerband. 
- © Österreichisches Volkshochschularchiv

Der Künstler als aktiver Bergsteiger: Gustav Jahn am Inntalerband.

- © Österreichisches Volkshochschularchiv

Jahn starb sehr jung bei einem Bergunfall im Gesäuse. Auch Barth wurde durch einen Gehirntumor früh aus der Alpinsportbegeisterung gerissen - seine Ikone des Klettersports, das farblich und im Helldunkelkontrast expressiv und dramatisch gestaltete "Morgengebet am Großglockner" von 1911, zeigt das Mitglied des Hagenbunds auch als subtilen Pointillisten. Heinrich Schildknecht hatte zu dem Gipfelkreuzmotiv mit windverwehten Eiszapfen die Fotografien geliefert, er machte auch eine Aufnahme der Freunde Jahn und Barth am Großglockner.

Das Geschäft von Mizzi Langer hat bis heute überlebt: Beim "Bergfuchs" können immer noch Alpinausrüstungen erworben werden. Die großen friesartig gehängten Gemälde von Jahn sind allerdings abgehängt und verkauft worden. Doch bis nächsten Oktober kann man die vielseitige Fünfer-Seilschaft mitsamt diesen monumentalen Gemälden von Winterlandschaften im Hochgebirge in Krems besichtigen.