Gleich vorweg, auch wenn noch nicht alle Museen ihre Programme bekanntgegeben haben: Es sind einige Highlights im Neuen Jahr zu erwarten, was Retrospektiven bekannter Künstlerinnen betrifft oder die virulente kunstpolitische Diskussion um postkoloniale und queere Themen. Neben Michelangelo, Georg Baselitz oder Alois Mosbacher gibt es zwei Gedenkausstellungen zum 80. Geburtstag von Herwig Zens in Wien und Krems. Junge, meist internationale Positionen sind in Mumok, Secession und Kunsthalle geplant, und das Liechtenstein Museum zeigt in seiner Öffnungszeit im März die fürstliche Bronzen-Sammlung als letzte Schau des langjährigen Direktors Johann Kräftner.

Damit zur Neubestellungen im Museumsbereich ab 1. April: Stephan Koja verlässt die berühmte Alt-Meister-Sammlung in Dresden, um nach Wien in die Liechtenstein Collections zurückzukehren. Er hatte als Kurator am Belvedere begonnen. Das Team der Kunsthalle sollte abgelöst werden, nach erstem Bewerbungsdurchgang mehrten sich aber die Stimmen in der Stadt, das Kollektiv "What, How & for Whom" aus Zagreb nicht abzusetzen. Ende Februar soll die Entscheidung im zweiten Durchgang fallen. Im Herbst sollte das Wien Museum am Karlsplatz nach dem Umbau wiedereröffnet werden, im jetzigen Ausweichquartier Musa zieht dann wieder die Gegenwartskunst ein mit einer neuen Jahrzehnteschau über Wiens Kunstankäufe in den 2000er Jahren. Lilli Hollein, letztes Jahr für das MAK neubestellt, wird ihre Pläne erst am 17. Jänner bekanntgeben. Das Haus startet neben den bis in den Herbst laufenden Großausstellungen "The Fest" und den Werkstätten Hagenauer am 1. Februar mit der Installation "Dead Stock" von Birke Gorm.

Herwig-Zens-Schau

Ab 3. Februar ist Gustav Klimts "Eugenia Primavesi" (1913) im Wiener Belvedere zu sehen. - © Toyota Municipal Museum of Art
Ab 3. Februar ist Gustav Klimts "Eugenia Primavesi" (1913) im Wiener Belvedere zu sehen. - © Toyota Municipal Museum of Art

Das Kunsthistorische Museum feiert den 80. Geburtstag des 2019 verstorbenen Herwig Zens ab 16. Februar mit einer Schau der längsten Radierung der Welt. "Das radierte Tagebuch" ging als Schenkung ans Haus, die im Bassanosaal das Ausstellungsjahr einläutet. Danach nimmt ab 7. März Georg Baselitz mit "Nackte Meister" die Konfrontation mit den Alten Meistern auf. Während zwei große Überblicksausstellungen die habsburgischen Schätze nach Korea bringen, nimmt ab 20. Juni die Renaissanceskulptur mit "In Love with Laura. Ein Geheimnis in Marmor" und ab 26. September die Sammlung der Tapisserien mit "Raffael. Seide & Gold" im Museum spannende Themen in Angriff. Brisant bleibt die Fragestellung um Restitution und weitere kulturelle Krisenfragen im Weltmuseum unter der Leitung von Jonathan Fine, der mit 13. Jänner anderen Museen das Diskussionsforum "Digital Benin" gestartet hat und als zweites Projekt "Taking Care", das mit "Ausgestorben!?" und "Whatever You Through in the Sea" ethnografische wie biologische Gefährdungen ab 23. Februar und 27. April zur Sprache bringt, aber mit "Space Mosque" auch den Theseustempel ab 21. April bespielen wird. Das Theatermuseum wartet im Herbst ab 18. Oktober mit "Showbiz made in Vienna. Die Künstlerdynastie Marischka" auf.

Albertina startet mit Dürer

Am 30. März ist "Blackness, White and Light" vom Afroamerikaner Adam Pendleton im Mumok zu Gast (im Bild: Adam Pendletons "Still from Ruby Nell Sales", 2020-2022). - © Adam Pendleton
Am 30. März ist "Blackness, White and Light" vom Afroamerikaner Adam Pendleton im Mumok zu Gast (im Bild: Adam Pendletons "Still from Ruby Nell Sales", 2020-2022). - © Adam Pendleton

In der Albertina ist neben "Michelangelo und die Folgen" ab 15. September "Die Druckgrafik des Meisters" ab 27. Jänner mit den Kollegen Dürer, aber auch Miro zu erwarten, während in der "Modern" die Druckgrafik von Warhol bis Kiefer ab 3. März ergänzt. Es folgt "Bruegel und seine Zeit" ab 17. März und ab 7. März läuft "Alex Katz. Cool Painting". Valie Export bekommt eine Personale ab 23. Juni, Gottfried Helnwein und Joel Sternfeld dann im Herbst ab 25. Oktober und 28. September. Überraschungen können unter anderem die Themenschau "Götter, Helden und Verräter. Das Historienbild um 1800" ab 2. Juni, der "Piktorialismus. Die Kunstfotografie um 1900" und Yoshitomo Nara ab 10. Mai bieten.

Das Belvedere startet mit "Klimt inspired by Van Gogh, Rodin und Matisse" am 3. Februar, um mit "Kolossal. Malerei im Großformat" ab 22. Juni fortzusetzen, Höhepunkte sind Louise Bourgeois ab 22. September, Alois Mosbacher ab 10. März und Renate Bertlmann ab 29. September sowie Constanze Ruhm ab 16. März - die Ersten im Unteren Belvedere, Letztere im Belvedere 21. Spannend könnte auch "Über die neue Wiener Szene und darüber hinaus" ab 7. April werden. Im Garten wird skulpturale Kunst den öffentlichen Raum erweitern. Das Leopold Museum stellt ab 5. April eine Sammlungsschau von 200 Werken aus der Würth Collection vor, um im Herbst mit Max Oppenheimer und einer ersten Personale Gabriele Münters in Wien den Expressionismus zu feiern, dazu wird ein Fünftes Schiele-Symposium stattfinden, die Tagesbände der beiden letzten sind eben erschienen.

Das Mumok zeigt ab 14. März "On Stage. Kunst als Bühne" mit einem filmischen Schwerpunkt, gefolgt am 30. März vom Afroamerikaner Adam Pendleton zu "Blackness, White and Light", der zuletzt im MoMa in New York präsentiert wurde. Agnes Fuchs wird ab 30. März mit "Her Eyes were Green" ihren Auftritt haben, gefolgt im Mai von Elisabeth Wild mit "Fantasiefabrik", die erst im Alter von 95 Jahren von Adam Szymczyk für die documenta 14 entdeckt worden war. Ab 29. September bringt "Avantgarde und Liberation" die virulenten Themen "Zeitgenössische Kunst und dekoloniale Moderne" aus außereuropäischer Sicht zur Sprache, aber auch die Sammlung selbst wird mit der aktuell bleibenden Frage "Und immer wieder. Nie wieder. Krieg" ab 29. September durchleuchtet. Ab Oktober wir Benoit Piéron medizinische Felder um kranke Körper mit "Monstera deliciosa" ins Zentrum rücken.

Das Kunstforum bringt ein lang ersehntes Wiedersehen mit Österreichs Pop-Künstlerin ersten Ranges Kiki Kogelnik unter dem Titel "Now ist The Time". Ebenso berühmt ist der Maler im Herbst: Robert Motherwell, ab 12. Oktober. Im Tresor kommen unter anderem Anja Manfredi und Kay Walkowiak zu Wort und Bild.

Die Secession spannt einen weiten Bogen von Jean Fréderic Schnyder, The Otolith Group und Patricia L. Boyd ab Februar und Vivian Suter, Margaret Salomon und Karrabing Film Collectiv von März bis Juni bis zu Soil Thornton, Mai Ling und Mykola Ridnyi und vielen anderen durch weltweite neue Kunstfelder - auch Moskau, Taiwan, Charkiw oder Australien integrierend.

Sozialpolitische Kunsthalle

Die Kunsthalle bleibt sozialpolitisch ausgerichtet, und auch ohne Jahrespressekonferenz (24. Jänner), ist bereits bekannt, dass mit "No Feeling is Final. The Skopje Solidarity Collective" am 20. April gestartet wird, im Mai folgt Laure Prouvost und "Unfreezing the Scene", gefolgt von Denise Ferreira da Silva & Arjuna Neuman ab 21. September und der Themenschau "Darker, Lighter, Puffy, Flat" ab 9. November.

Krems wird sich auch dem 80. Geburtstag von Zens widmen, in Landesgalerie und Frohnerforum wird Oswald Oberhuber dort mit Frohner konfrontiert. Eduardo Chillida in der Kunsthalle und Frenzi Rigling wie Angela Glajcar kommen in die Landesgalerie, sowie Alfredo Barsuglia und Damir Očko in die Dominikanerkirche, dazu wird es Themenschauen und die bekannten Musik-Festivals geben.