Das Ergebnis der vierjährigen Sanierung des Parlamentsgebäudes und die Künstlerinstallationen sind von großer Aufregung begleitet. Das Architektenteam Jabornegg & Pálffy musste hier stärker in die Substanz eingreifen, als es in Theophil Hansens Akademiegebäude am Schillerplatz nötig war, auch um Abgeordnete und Besucherströme zu trennen. Das passierte durch neue Stiegenhäuser in den alten Lichthöfen, Sanierung und Umbau der Dachbereiche, die nun den großen Nationalratssaal mit einer Lichtkuppel nach oben öffnend abschließen.

Mehr Licht in allen Stiegenhäusern und begehbare Terrassen sind erfreuliche Neuerungen, die ausgetauschten Türen, Böden, Fenster weniger. Im Dachbereich konnten ein großzügiges Plenarium und ein Restaurant geschaffen werden. Der Eingangsbereich für Besucher unter der Säulenhalle ist erweitert um eine Agora mit Seitenräumen wie das Auditorium, in denen Wechsel-Ausstelllungen zur Geschichte des Hauses mit einem dominanten Einsatz von Neuen Medien vermittelt werden.

Esther Stocker gestaltete die Wand in einem der Stiegenhäuser des Parlaments mit der Arbeit "Galaxie". - © apa / Hans Klaus Techt
Esther Stocker gestaltete die Wand in einem der Stiegenhäuser des Parlaments mit der Arbeit "Galaxie". - © apa / Hans Klaus Techt

Kunst an einem hochsensiblen Ort

Auf die Kritik an der persönlichen Auswahl von Kunstkurator Hans-Peter Wipplinger durch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, an seinem Honorar sowie die Auswahl der Kunstwerke neben dem geliehenen, teilvergoldeten Bösendorfer-Flügel muss erwidert werden, dass mehr Basisdemokratie und ein billigeres Klaviermodell der Traditionsfirma andere Aufregungen erzeugt hätten. Denn der Ort ist hochsensibel, der Vorgang wird als "österreichisch" in die ironischen Kommentare eingehen, der Klang des Instruments im Empfangssalon ("Blauer Salon") ist allerdings hervorragend.

In diesem Raum, der Hansens Farbkonzept am besten überliefert, wurden vier große Leinwände Heimo Zobernigs vor die Stucco-Lustro-Felder montiert, die mit eigenen, im Tageslicht changierenden Interferenzfarben gemalt sind und als Mega-Querformate auf die normale Höhe unserer Wohnungen verweisen.

Die mehrschichtigen Konzepte des Künstlers setzen sich im neu geschaffenen Erwin-Schrödinger-Saal fort mit der absichtlichen Überschreibung der Wörter "Demokratie" und "Parlament". Sie verweisen auf den stählernen Bundesadler von Rudolf Hoflehner aus dem Nationalratssaal mit den gesprengten Ketten nach der Nazi-Herrschaft - anlässlich von Washington und Brasilia könnte heute sogar mehr hineininterpretiert werden.

Weniger Ironie steckt in der von der verstorbenen Brigitte Kowanz konzipierten Neonschleife "Die Ausrufung der Republik 12. 11. 1918" im Elise-Richter-Saal. Richter als erste Professorin im deutschen Sprachraum begegnet der Erinnerung mit dem Morsecode für das Datum.

Eva Schlegels Spiegelarbeiten im alten Stiegenhaus des Vestibüls sind "extensions of public space" bis in das Glasdachhaus darüber. Die durch einen Motor angetriebene neunteilige Spiegelskulptur oben kann, vom Restaurant "Kelsen" aus, der Künstlerin zufolge als "Mondphasen" gesehen werden.

Zwentendorf und Frauenrechte

Im Café Agora neben Säulenhalle und Nationalratssaal hat die jüngste Künstlerin, die Fotografin Lea Sonderegger, die 2017 begonnene Absiedelung vor der Sanierung im Rahmen eines Projekts zur "Temporären Unordnung" festgehalten: Leere Räume, Möbelansammlungen und aus Türen quellende Dämmstoffe erzeugen eine surreale Erinnerung. Durch Constantin Luser kann eine "Demokratietrompete" mit sechs Mundstücken in der Plenar-Lounge in Gang gebracht werden. Die Trompeten sind kombiniert mit einem Fries und zwei Mobiles, im Messingfries sind wichtige Ereignisse von Zwentendorf bis Frauenrechte enthalten.

Die gesellschaftliche Bewegung vollzieht auch Esther Stockers Variationsflut nach dem schwarzen Quadrat von Malewitsch in einem Stiegenhaus nach. Ein zweites bekommt einen feuerfesten Vorhang von Peter Kogler, ein drittes an Mikadostäbe und Hansens Farbkonzept erinnernde bunte Stahlseile von Martina Steckholzer.

Nicht alle Beiträge konnten im Rundgang besichtigt und können hier besprochen werden: Für Peter Sandbichler, Peter Weibel, Heimrad Bäcker und Erwin Bohatsch braucht es einen zweiten Anlauf.