Eine Studie im Fachmagazin "Computers in Human Behaviour" hat ergeben, dass Menschen Kunst von einer Künstlichen Intelligenz (KI) aufgrund der von ihr ausgehenden Bedrohung für den Menschen weniger schätzen. "Der Mensch hat ein fundamentales Problem damit, wenn er nicht mehr die Krone der Schöpfung ist", so der Verhaltensforscher Florian Buehler von der Fachhochschule (FH) Vorarlberg.

"Kreativsein ist bisher die letzte Bastion des Menschen gewesen", sagte der an der Untersuchung beteiligte Buehler. Jetzt macht uns KI aber Konkurrenz. Sie kann malen, dichten und komponieren. Kaum ein Gespräch, bei dem der KI-Trend ChatGPT derzeit nicht ein Thema ist. Das Programm kann Texte in verschiedenen Genres schreiben.

Eine Bedrohung

Das sei für viele eine Bedrohung. "Es ist nicht per se 'Technophobia' wie man so oft sagt, also die Angst vor Technologie, sondern eher diese fundamentale Bedrohung, die wir als Menschen in unserem Selbstbild empfinden", so der deutsche Verhaltenswissenschafter, der seit Oktober 2022 an der FH Vorarlberg der Frage nachgeht, wie wir Künstliche Intelligenz wahrnehmen.

Eine neue Studie, die er mit Kollegen der Vrije Universiteit (VU) Amsterdam und der Universität British Columbia (Kanada) mit mehr als 1.700 Teilnehmern durchgeführt hat, hat gezeigt, dass Menschen Kunst, die von einer KI stammt, geringschätzen, gerade weil sie wissen, dass sie von einer Maschine kreiert wurde. Wichtig dabei ist, dass diese KI-Kunstwerke sich nicht von menschengemachter Kunst unterscheiden. "Menschen beurteilen anscheinend nicht das Bild an sich, sondern auch den Schöpfer", so Buehler.

Im Rahmen der Studie mussten die Probanden jeweils zwei Kunstwerke bewerten: ein "von Menschen erschaffenes" und ein "von KI erschaffenes". Die Bezeichnungen vergaben die Wissenschafter allerdings rein zufällig. Die Teilnehmer hörten zum Beispiel zwei Sinfonien, die eigentlich beide von demselben KI-Programm erstellt wurden, aber ihnen wurde gesagt, dass ein Musikstück von Menschen gemacht und das andere von KI gemacht wurde. In einem anderen Test hat man den Teilnehmern zwei Gemälde gezeigt, die tatsächlich beide von Menschen gemacht waren, von Paul Klee und Wassily Kandinsky. Auch hier wurde die Identität des Schöpfers manipuliert und ein Bild als KI-Kunst gelabelt.

KI-Kunst als weniger kreativ bewertet

Das Ergebnis war immer dasselbe: Menschen beurteilen ein Kunstwerk als weniger kreativ und weniger beeindruckend, wenn es von KI-Systemen gemacht wurde. "Das gilt besonders für Menschen, die davon überzeugt sind, dass nur der Mensch kreativ sein kann", so Buehler.

Wir Menschen betrachten uns gerne als etwas "Spezielles", aber vielleicht hat die Menschheit ja kein Monopol auf Kreativität. Das wohl bekannteste Beispiel kreativer KI ist das Gemälde "Edmond de Belamy", das im Jahr 2018 für 432.500 US-Dollar versteigert wurde. Damit war es das erste von einer KI gezeichnete Gemälde, das von einem großen Aktionshaus versteigert wurde. Es basiert auf der Arbeit eines Algorithmus, der für die Bilderzeugung auf 15.000 "echte" Porträts zurückgriff.

"Mit der Definition, die wir allgemein an Kreativität anlegen, würde ich mich aus dem Fenster lehnen und sagen, Kunst der Künstlichen Intelligenz kann auch kreativ sein, da die Künstliche Intelligenz nichts anderes als ein Mensch macht", sagt Buehler: "Ein Künstler lässt sich ja auch von all jenen Erfahrungen inspirieren, die er ein ganzes Leben lang gesammelt hat. Nichts anderes macht die KI. Sie lernt sehr schnell mit Bildern, die es auf der Welt gibt, und kreiert dann neue Bilder auf Grundlage dieses Wissens."

Noch wird sie dafür von Menschen programmiert, da die meisten KI-Systeme heutzutage nicht ganz autark funktionieren, betonte Buehler, aber es gebe bereits Experimente mit Maschinen, die auch das lernen können. Anstatt KI-Kunst systematisch abzuwerten, sollten wir die Chancen sehen, so der Forscher: "Wir sollten den Kreativitätsprozess neu überdenken." KI könnte zu einer Art "Liberalisierung der Kunst" führen. "Es wird vielleicht irgendwann einen digitalen Picasso geben und davon könnte sich theoretisch jeder einen ins Wohnzimmer hängen." (apa)