Die christliche Emblematik prägt Franz Grafs Werk. Foto:O.O.
Die christliche Emblematik prägt Franz Grafs Werk. Foto:O.O.

Franz Graf bringt die Waldviertler Einschicht seines Ateliers mit nach Wien: Alte Gusseisenkreuze aufgelassener Gräber ruhen auf Paletten wie seine Bilder. Scheinbar vom Transport liegen geblieben und nicht ganz ausgepackt. In Gföhl hängen sie an der Wand seines Hauses. Da wie dort bedeuten sie für den Künstler nicht Tod, sondern Schlaf. Das harmlose Kind der Nacht, der Traum und die Trägheit des Herzens sind aber nur eine
inhaltliche Dimension seiner Installation mit Objekten, Vitrinen und neuen
Bildern.

Die besondere Architektur des Ausstellungsraums, seine Ebenen und Offenheiten, regen ihn zur Disposition der Werke - teilweise in "Wohlfühlhöhe" - an. Neben Gitti Hucks Konzept ist er sein eigener Kurator. Graf versteht die Paletten und die schwarzen Papiere der Verpackung der Werke für den Transport, selbst die rote Klebefolie, als integrierte Materialien. Lädt sie mit Magie auf und nennt sie "Kunstbatterien" wie einst Joseph Beuys, dem er in Studienzeiten auf der Angewandten begegnete.

Knitterblumen aus Folie


Aus roter Klebefolie formt er eine Knitterblume für eine der Vitrinen. Mit den Kreuzen zusammen könnte das Signet der Rosenkreuzer, esoterische Geheimgesellschaft vor den Freimaurern, assoziiert werden, aber es ist nur die Wiederkehr der schwarzen Romantik seit den 70er Jahren. Der Rotakzent stört bewusst sein immer rau und offen bleibendes Schwarzweißkonzept in anhaltender Verbindung mit Schriftpoesie, Ornament und Geometrie. Kombinatorik des Spielsinns, ein Fundus an zu Fetischen erhobenen Alltagsobjekten umkreisen persönliche, teils (auto)erotisch aufgeladene Mythologien. Hier kippen Nacht und Eros in Horrorgefilde des Schmerzes. Die Düsternis der Papiervorhänge inszeniert und verhüllt gleichermaßen.

Daneben die Reinigung: Ein Kettenhemd hängt von der Decke an Metallhaken, der ritterliche Held ist leere Hülle, die Kreuzzüge abgeschlossen, die Symbolik der Märtyrer auf die teils gefesselten und geknebelten Modelle übergegangen. Ihre androgyne Schönheit verweist auch auf den jugendlichen Franz Graf - eine Wanderung ins dunkle Innenleben. Design-Geschichte schreibt die Vitrine aus dem Wien Museum von Oswald Heardtl, laut Graf "Cool und mit Patina" als Behälter für ein Arrangement aus Vasen, Masken, Glas, Erotika und einer leeren Flasche von irischem Schnaps - eine Referenz an den Aussteller vor ihm: Ragnar Kjartansson. Dazu machen halb lesbare Buchstabenzeilen dieses staatspreisgekrönte Werk zur magischen Kunstkammer mit Flair einer sanften Apokalypse. Auch Anatomie der Kunst, gefiltert durch Ikonen des Abfalls und Blumen des böse Schönen.

Ausstellung
Franz Graf. Derr Schrecken jedoch vermeerte mein Interesse

Brigitte Huck (Kuratorin)
Bawag Contemporary
bis 28. August