So nahe wie nie: Detail aus Bruegels "Kornernte" aus dem Metropolitan Museum in New York, zu sehen auf der virtuellen Museumsplattform. Foto: www.googleartproject.com
So nahe wie nie: Detail aus Bruegels "Kornernte" aus dem Metropolitan Museum in New York, zu sehen auf der virtuellen Museumsplattform. Foto: www.googleartproject.com

17 große Museen weltweit haben sich zu einem Web-Experiment verbunden, das diese Woche in London vorgestellt wurde. Das "Art Project" erlaubt einen virtuellen Gang durch Museumsräume und einen detaillierten Blick auf einzelne Gemälde, wie er bisher nicht möglich war. Von der Nationalgalerie und der Tate an der Themse über das Rijksmuseum in Amsterdam und die Hermitage in Sankt Petersburg bis zum Metropolitan Museum in New York bietet sich eine Cyber-Tour bedeutender Kunstwerke, die 385 Räume umfasst. Auch Berlins Gemäldegalerie und Alte Nationalgalerie, das Museo Reina Sofia in Madrid, die Uffizien in Florenz und Kunstsammlungen in Prag, Moskau und Versailles sind mit von der Partie.

Andere Museen können sich anschließen. Das Projekt versteht sich als Einladung zum Zusammenwirken. Zustandegekommen ist es in Kooperation mit Google, das nun also Spaziergänge nicht mehr nur entlang städtischer Häuserfronten simuliert, sondern auch durchs Innere der musealen Schatzkammern.

Details dank Gigapixel

In der virtuellen Version kann man den Kunstwerken ganz anders nahe kommen als in der realen Welt. Eine Auswahl der Gemälde wird in Ultra-High-Definition dargeboten - dank einer Gigapixel-Technologie, die die tausendfache Schärfe einer Digitalkamera erlaubt und Einzelheiten zutage fördert, die das menschliche Auge am realen Objekt kaum wahrzunehmen vermag. Auf einer Wiese von Bruegels "Kornernte", im Metropolitan Museum, taucht etwa eine Familie auf, die während der Fasnachts-Feiern eine an einen Zaun gehängte Gans mit Prügeln bewirft. "Von diesem grausamen Spiel habe ich bisher auch nichts gewusst", gesteht Sir Nicholas Serota, Chef der Tate Modern. In der Vergangenheit, erklärt der Direktor, seien Museen vor allem daran interessiert gewesen, so viele Bilder wie möglich ins Netz zu bringen: "Nun geht es mehr um Tiefenschärfe."

Man dürfe hoffen, meint auch Googles "Art-Project"-Betreuer Nelson Mattos, "dass dies eine ganz andere Weise der Beschäftigung und der Erforschung von Kunst erlauben wird".

Dass derartige Web-Präsentation Kunstfreunde vom Besuch der Museen abhalten werde, befürchtet keiner der an der Initiative beteiligten Experten. Ersetzen könne die virtuelle Bildergalerie die Begegnung mit realen Gemälden nicht, sie könne aber "Geschmack auf mehr" machen, also Besuche begünstigen. Vorsichtig will man nur sein in Bezug auf die vielen hundert Museumsräume, die im Detail am Bildschirm zu besichtigen sein werden. Man will ja nicht Kunstdieben das Studium von Alarmanlagen erleichtern, bei der Planung künftiger Raubzüge am Computer.

Website Art Project