Liegt Japan an der Drau?


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(cai) Jö, den Berg kenn’ ich doch irgendwoher. Der Mittagskogel! Der Stolz der Karawanken! Aber wieso schauen die Kärntner da auf den Bildern alle aus wie Japaner? Ach, werden wohl Touristen sein. Und warum hat der Künstler sich der mühsamen Moku-hanga-Technik bedient, also des Holzschnitts, und nicht der Nikon-Technik? Na ja, weil es im 19. Jahrhundert halt noch keine Nikon gegeben hat. Und genau genommen sind das eh keine 100 Ansichten vom Mittagskogel. Sondern vom Berg Fuji. (Quasi der Großglockner von Notre Dame, Tschuldigung: von Japan.)

Wie der legendäre Meister Hokusai den Berg einfallsreich in lauter Genreszenen verwickelt hat ("Der Fuji im Gesicht eines Reisfeldes": als Spiegelung im Wasser), das hat den Wiener Roman Scheidl zu lockeren Variationen inspiriert. Und mit dem Hokusai ist er inzwischen dermaßen per Du, dass er bei ihm schon Lippenlesen kann (und die Lippen bewegen sich ja nicht einmal): "Der da erzählt grad einen Witz und derda haut sich ab." (Hm. Ist der japanische Humor eigentlich knackig wie ein Haiku? - "Der glitschige Fisch. / Ein Samurai steigt drauf. / Hoppala!") Die Vorlagen sind vielleicht origineller als die Paraphrasen (no na), dafür gibt sich Scheidls ausschweifender Tuschepinsel ganz der Sinnenfreude hin. Fabuliert flüssig herum. Und die Hokusais daneben sieht man auch gleich viel besser. Der "Das rechte Bild unterscheidet sich vom linken durch fünf Fehler"-Effekt. Doch wenn aus Schlägertypen (äh: aus Tennisspielern? - nein, Holzfällern) Musiker werden, ist das sowieso ein geistreicher "Fehler". Oder ist eine Axt etwa kein Schlaginstrument? Dass Hokusais "Große Welle" beim Scheidl daheim am Klo hängt, ist natürlich keine Respektlosigkeit. Es ist eine Referenz an die WC-Spülung. Spül das Gackerl runter mit dem Lackerl! (Okay, das war jetzt kein Haiku.)

Artmark Galerie
(Singerstraße 17), Roman Scheidl & Hokusai
Bis 16. Juli, Do., Fr.: 13 - 18 Uhr, Sa.: 11 - 15 Uhr

Zucht und Unordnung

(cai) Das einzige Mysterium ist der Ausstellungstitel: "Homeless." Ein dezenter Hinweis, dass diese Bilder ein Zuhause suchen? Einen netten Käufer? Ansonsten sind die Malereien von Susanne Ackermann so leicht zu durchschauen wie ein Negligé. Weil die Farben komplett durchsichtig sind. Nicht dass das erotische Kunst wäre. Obwohl: Die transparenten Farbschleier sind ja irgendwie sexy. Und jede Menge Kurven gibt’s da auch. Allerdings abstrakte. Krumme Linien halt. Aus denen der Pinsel nicht hinausgeschleudert wird. Und die verdichten sich zu einem gemütlichen Chaos. Züchtig.

Galerie Lindner
(Schmalzhofgasse 13), Susanne Ackermann
Bis 15. Juli, Di. - Fr.: 14 - 18 Uhr