Vor allem Diktaturen missbrauchen Bilder. Arno Breker machte aus Laokoon einen germanischen "Rächer"-Siegfried; nichts als Pose auch die Rossebändiger und die in bäuerliche Blut- und Bodenthematik gefallenen Venus-Varianten. Hubert Lanzinger inszenierte Adolf Hitler mit mittelalterlicher Rüstung zu Pferde nach Albrecht Dürers und Klimts Rittern. Die Nike von Samothrake platzierte Karl Mader 1943 über toten Soldaten als Racheengel für "Das heilige Opfer": Da wird das Bild zur Durchhalteparole für Kriegsmüde.

Frauen wurden mit Genrebildern aus Holland an ihre Heimchenrolle gebunden, und die Kunsthistoriker entdeckten fleißig das Deutsche, Englische, Romanische in der Kunst und zwängten auch die Nazi-Favoriten Vermeer van Delft oder Ferdinand Georg Waldmüller in rassistische Muster. Besonders Letzterer hätte sich als Revolutionär von 1848 sicher nicht eingefügt. Der mörderische Stalinismus mit seinem "sozialistischen Realismus", bis hin zu jenen Bildern aus Nordkorea, die erst 2010 mit viel Aufregung, weil unkommentiert im MAK gezeigt wurden, setzt hier nahtlos fort. Die Beispiele könnten Universitätsseminare auf Jahre füllen.

Interessant ist ein Foto, das 2008 von Wladimir Putin veröffentlicht wurde: Es zeigt den russischen Machtmenschen als zweiten Rembrandt, Velázquez oder Goya vor der Leinwand. Nicht das, was er malt, ist zu sehen, sondern sein entschlossener Blick auf die Leinwand - gedankenschwer innehaltend mit Pinsel und Farbglas in den zur Geste erstarrten Händen. Durch das Gewebe schimmern verstreute Buchstaben, keine Farbflecken. Dieser echte Putin brachte angeblich 37 Millionen Rubel, das waren 2009 immerhin 860.000 Euro. Auch das Aquarell-Werk Adolf Hitlers ist noch auf dem Kunstmarkt, die Ansicht allerdings widerlegt, dass die Aufnahme an die Wiener Akademie Schreckliches verhindert hätte.

Birgit Schwarz hat über Hitlers Missbrauch der Bilder und seinen "Geniewahn" ein gleichnamiges, lesenswertes Buch geschrieben: Hier müsste ansetzen, wer die Bildfälle im Internet als Tummelplatz radikalen Gedankenguts herausfiltert.