Jan Hupf-in-die-Gruft


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(cai) "Die blaue Stunde" - hm. Die Happy Hour? Klingt wie der Titel einer feuchtfröhlichen Realitysoap. (Nein, die würde "Ex-Diaries: Die Austrinker" heißen. Oder "Wer wird Promillionär?".) Der Jan Fabre nennt jedenfalls eine Werkserie so. Und das sind nicht einmal Ölbilder. Wurscht. Mit Ölmalerei meint man meistens eh bloß die Technik "Öl auf Leinwand" und nicht die Technik "Maler im Öl". Als der Picasso seine blaue Periode hatte, da war er ja womöglich auch nicht blau. Okay, der Fabre ist kein Picasso. Aber immerhin ein "Bicasso". Weil er während seiner blauen Periode (um 1990 herum) Bic-Kulis gemolken hat. Quasi. Riesige Formatehat er vollgekritzelt. Und im dichten, vibrierenden Bic-Blau haben sich sauber gezeichnete Viecherln und Pflanzen verfangen wie in Spinnweben.

Beeindruckend, diese Kritzelkondition. Ein bissl eintönig halt. Dafür sind seine Selbstinszenierungen in der Galerie Mauroner total romantisch. Etwa wenn er den Wolkenvermesser spielt. Sein Bronzeabguss steht sehnsüchtig mit einem Lineal auf einer Leiter. Soll das ein Meteorologe sein, ein Hans Guck-in-die-Luft? Die Größe einer Wolke verhält sich ja direkt proportional zum Schlechtwetter. Je bewölkter der Himmel, desto mieser das Wetter. Oder ist das ein Träumer, der sein Luftschloss ausmisst, bevor er es einrichtet (ein Wolkenkuckucksheimwerker)? Und drunten im Keller ist der Fabre ein Jan Hupf-in-die-Gruft, ein Märtyrer: "Eine mittelalterliche Bestrafung für einen zeitgenössischen Künstler." Banausen haben sein Gipsdouble anscheinend in Tinte ertränkt und dann bis zum Hals in Rindenmulch eingebuddelt. (Tja, ein bühnenreifer Regisseur ist er auch.) Und es riecht so authentisch nach Moder, man sieht schon überall weiße Würmer.

Mario Mauroner Contemporary Art
(Weihburggasse 26)
Jan Fabre
bis 10. September
Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr, Sa.: 11 - 16 Uhr

Brust oder Beule

(cai) Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist der Satz. Und manchmal die längste. Der Ulrich Riedel fasst sich aber kurz. Botschaften wie "Ich habe nichts zu sagen" (ein Manifest?) übersetzt er Buchstabe für Buchstabe in sein selbstgebasteltes Alphabet. In verschieden lange Klötze, die uns mit knackiger Präsenz und Präzision entgegenwuchern. Gemeingefährliche Dinger. Fast hätt’ ich beim Lesen eine Gehirnerschütterung gekriegt. Hab mir nämlich an so einem Trumm den Kopf ang’haut. (Ein blindes Hendl findet eben auch einmal eine Beule.) Die abstrakte Kunst ist ja immer irgendwie ein Sehtest, und hier hat man sogar die Chance, ihren Code zu entschlüsseln.

Galerie Frey
(Gluckgasse 3)
Ulrich Riedel
bis 8. September
Mo. - Fr.: 11 - 19 Uhr, Sa.: 10 - 16 Uhr