Nordic Noodle-Walking

(cai) Aha, das muss ein Sommerskifahrer sein. Einer von diesen Exzentrikern, die zu Fuß Ski fahren. Also unten ohne. Ohne Brettln. Oder eigentlich auf dem Trockenen langlaufen. (Während ein Sonntagsfahrer ja dermaßen lahm mit dem Auto herumkurvt, dass er gleichzu Fuß gehen könnte.) "Nordic Walking" heißt dieses merkwürdige Benehmen. (Ähm, und was macht man beim "Noodle Walking"? Hm. Wahrscheinlich marschiert man mit einem Nudelwalker herum und walkt dabei in der Luft einen imaginären Teig aus. Gut für die Arme.) Der Fotograf Josef Fischnaller hat jedenfalls ein Bild vom Tizian museumsreif nachgestellt, hat einem Medici zwei Stecken in die Hände gedrückt und ihn zum Nordic-Walking-Pionier gemacht. (Vielleicht weil Medici wie "Medi-Ski" klingt. Oder bloß so.)

Die Mona Lisa hat bei ihm ein Lippenpiercing und das Einhorn ist ein g’rupftes Hendl. (Na ja, wenn man’s schlampert ausspricht, hört sich "Einhorn" eh an wie "ein Huhn".) Was er mit den alten Meistern aufführt, grenzt ja bereits an Regietheater. Oder sind seine fotografischen Neuinszenierungen, die er mithilfe von Kostümbildnern und Stylisten professionell realisiert, insgeheim Werbung? Sein Narziss (nach Caravaggio), der sich selber im spiegelnden Fußboden anhimmelt, geht locker als Andachtsbild für einen Haushaltsreiniger durch ("Meister Proper putzt so sauber, dass man sich drin spiegeln kann"). Und überall unter der makellosen Glätte gibt’s witzige Details zu entdecken. Der Hieronymus grübelt über einem Modemagazin, dessen französischer Titel von der Rechtschreibreform zum Glück verschont geblieben ist, denn sonst würde ja jeder glauben, das wäre eine Zeitschrift mit asiatischen Kochrezepten ("Wok"). Und die originell, nein: genial, aus Papier, Plastik und Essen gebastelten Gewänder und Frisuren zeugen von geradezu MacGyverischem Improvisationstalent. (Nicht dass eine Perücke aus Spaghetti die Welt retten kann. Die reicht nicht einmal für den "kleinen Welthunger zwischendurch".)

Galerie Hilger modern
(Dorotheergasse 5), Josef Fischnaller, bis 23. September
Di. - Fr.: 10 - 18 Uhr, Sa.: 10 - 16 Uhr

Liebe ist mathematisch

(cai) Okay, um ihre persönliche Wirtschaftskrise zu bewältigen, hätte Danica Phelps auch einfach nacheinander in 350 Papiersackerln hineinatmen können. Und jedes um 1000 Dollar verkaufen. Dann hätte sie jetzt wenigstens die 350.000 Dollar wieder herinnen. So viel hat sie das Haus gekostet, das sie inzwischen los ist. (Nach einer Trennung und einem Gerichtsverfahren.) Trotzdem hat sie sich lieber für so was wie "meditatives Abreaktionszählen" entschieden. Eine Stricherlliste gemacht und 350.000 Stricherln auf 25 Aquarelle aufgeteilt. Hat sie die Farben ganz intim mit Tränen, Schweiß und Spucke verdünnt? Nein. (Schad.) Der Schlüssel für den Strichcode: ein Strich = ein Dollar. Gut, sie hat noch eine zahlenmystische Rechenoperation durchgeführt: ihren Verlust auf das Gerichtsurteil umgerechnet. Macht 26 Dollar pro Buchstabe. Natürlich sind die Fellhaare von Dürers Feldhasen attraktiver als die nüchternen Stricherln, aber die buchhalterische Verbissenheit hat ihre spezielle Überzeugungskraft.

Galerie Hubert Winter
(Breite Gasse 17), Danica Phelps, bis 10. September
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr, Sa.: 11 - 14 Uhr

Die Erde ist oberflächlich

(cai) Ach, deshalb! Jutta Brunsteiner hat Geografie studiert, bevor sie zur Malerei konvertiert ist! (Klar.) Aber sie malt doch eh keine Landkarten. Nein, dafür ist sie fasziniert von der Erdoberfläche. Bedruckt ihre Leinwände mit Landschaftsfotos und denkt diese mit dem Pinsel weiter. "Verwüstet" sie mit Farbe. Die Symbiose ist mitunter etwas plump und gelingt eher dort, wo sich die Natur im Abstrakten aufzulösen beginnt.

Galerie Artefakt
(Strauchgasse 2), Jutta Brunsteiner, bis 15. September
Mo. - Fr.: 13 - 18 Uhr