Haus Maier, Hatting, Tirol, 1976 ("Josef Lackner - Wohnlandschaften").
Haus Maier, Hatting, Tirol, 1976 ("Josef Lackner - Wohnlandschaften").

"Architektur ist Risiko und Erfüllung." So präzise, einfach und unsentimental wie dieses Zitat des großen Architekten der Nachkriegsgeneration Josef Lackner muten auch seine Bauten an. Seine Kirchen in Tirol, in Wien und Wulfen nahe Stuttgart, auch die Industriehallen und Bürogebäude haben fast alle die Zeit überdauert, sie wurden oft publiziert, machten den widerständigen Tiroler Einzelgänger österreichweit bekannt.

Die zahlreichen Einfamilienhäuser und städtischen Wohnanlagen, die er seit den 60er-Jahren bis knapp vor seinem Tod im September 2000 schuf, standen ein wenig im Schatten der unverwechselbaren Großbauten. Anlässlich seines 80. Geburtstages werden sie jetzt im Architekturzentrum Wien (AZ) unter dem Motto "Josef Lackner - Wohnlandschaften" und "Josef Lackner - Heimbesuche" gezeigt. Ein Glücksfall für Kuratorin Monika Platzer: Lackners gesamter Nachlass, Fotos, Pläne und Modelle befinden sich im Archiv des AZ. Die Kunsthistorikerin hat Bauten ausgewählt, die ihr auch in einem internationalen Kontext wichtig schienen, Bauten "auf der Höhe der Zeit". Die vorbildlich gepflegten Einfamilienhäuser konnte sie selbst besuchen.

Um Licht, Raum und Konstruktion kreisten Lackners Konzepte, wobei er bei jedem Haus nach neuen, überraschenden Lösungen suchte. Nichts anderes als ein Futteral für die Bedürfnisse der Menschen, die darin leben, sollten seine Behausungen sein. Von außen wirken sie manchmal streng, rational, ja spektakulär, doch im Inneren fühlt man sich geborgen und zugleich frei. Weite, Luft zum Atemholen, Lichtbänder, die den Blick nach oben, nach Wolken und Natur lenken. Kein Prunk zum Präsentieren, kein Dekor. Einbaumöbel mit weichen Rundungen, Holz ohne Alpinlook, Farbakzente in Gelb und Grün. Lebensfreude und Optimismus strahlen diese Innenräume aus. Lackners Credo: "Der Architekt muss Wohnungen planen, in denen er selbst wohnen möchte."

Mit seinen Vorstellungen vom menschenfreundlichen Wohnen auch in Großanlagen im städtischen Raum hatte er weniger Glück. Vorurteile gegenüber neuen Gedanken, Ängstlichkeit von Bauherrn und Politikern, auch der bürokratische Dschungel verhinderten viele Projekte des kritischen Geistes. Dem hemmungslosen Bauboom der 60er-Jahre hatte er mit einem ironischen Modell einer "Anti-Stadt" geantwortet.

Ausstellung

Josef Lackner -
Wohnlandschaften

Josef Lackner - Heimspiele

Architekturzentrum Wien

Bis 3. Oktober

Täglich von 10 - 19 Uhr