Sanskrit oder Shit?

(cai) Wenn die Ebbe doch keine Scheibe ist, sondern eine Kugel (noch dazu eine rosarote), was ist dann die Flut? a) Ein blauer Würfel. b) Ein grüner Kegel. c) Ein gelbes Ikosaeder. Oder d) Ein schwarzes Loch. Hm. Keine Ahnung. Genauso gut könnte es irgendwas Vierdimensionales in Orange sein. Das weiß wahrscheinlich nicht einmal der Franz West selber. Und das ist immerhin derjenige, der einen rosa Ball provokant "Ebbe" nennt. Die imposanten Dinger in der Galerie Meyer Kainer, das müssen Turngeräte für Denksportler sein. Mysteriöse Objekte, deren Mysterium nur von ihrer Unergründlichkeit übertroffen wird. Okay, manches kann man wenigstens mit dem Hintern "ergründen". Das ist hintergründig. Man kann sich also draufsetzen.

Etwa auf die Skulptur mit dem unaussprechlichen Titel. (Tja, was man nicht aussprechen kann, darauf muss man sich halt setzen.) Ist das Sanskrit? Nein. Shit. Tschuldigung: Sinnloses Gekritzel. Vom Wittgenstein. Der hat überlegt, ob das Musik sein kann. Und der West hat die melodische Linie nachgebaut. Als bodenscheue Schlange, die bloß an zwei Stellen "geerdet"ist. Irritierend geistreich, diese naiv bunte, kinderliebe Kunst. Die harmlose Papiermaché-Ästhetik macht sie obendrein fast schon peinlich menschenfreundlich, dass man ganz zutraulich wird. Verdammt, ist der Westgemein! Und Humor hat er auch noch. Behauptet frech, ein pinkes Kugerl mit Antennen wäre die Metaphysik höchstpersönlich. Eine Epiphanie. Ich glaube ja, dieserfette Knödel offenbart sich in seiner wahren Gestalt nur den wirklich Erleuchteten. Den wahrhaft Illuminierten. Denen, die im Öl sind. Vor deren Augen verwandelt er sich in einen rosa Elefanten. Oder in zwei.

Galerie Meyer Kainer

(Eschenbachgasse 9), Franz West, bis 29. Oktober

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr, Sa.: 11 - 15 Uhr

"Ick bin ein Hausfrau"

(cai) Oh, genau wie in dem Lied: "Hey Joe, where are you going with that gown in your hand?" He Joe, wo gehst’n mit dem Kleidl hin? Joes Antwort: Zur Wäscheleine. Okay, beim Jimi Hendrix hat der Joe eine Puff’n. (Und er will nicht die Wäsche erschießen.) Beim Joe Scanlan sind es eigentlich auch eher Socken. Und Polsterüberzüge. Oder, na ja, Stoffrestln, die er wie Wäsche aufgehängt hat. Ein symbolisches Outing? ("Ick bin ein Hausfrau.") Oder ein Manifest? (Malerei ist Buntwäsche! Und Maler malen nicht nur bunt, sondern kunter. Kunterbunt.) Die Konstruktion ist jedenfalls so effektiv wie witzig. Alles wird von einer Latte und einem Stein in einem prekären Gleichgewicht gehalten. Aber was wollen mir die blanken Keilrahmen sagen? Bilder sind Fenster? Nein: Möbel. (Hä?) Ja, mit einer Leinwand drauf wären das eventuell Betten, auf denensich die Blicke schlaflos herumwälzen. Doch so nackert sind sie desillusionierend wie eine abgeschminkte Mona Lisa. (Ohne Farbe wär’ die ein Schneidbrettl.)

Galerie Martin Janda

(Eschenbachgasse 11), Joe Scanlan, bis 29. Oktober

Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr, Sa.: 11 - 15 Uhr

Vandalperfektionismus

(cai) Gut, ich denke immer noch: Was der Otto Zitko macht, das kann ich auch. Aber ich würde es nie tun. (Da hätt’ ich zu viel Angst, dass mich einer anzeigt. Wegen Vandalismus.) Wie er ganze Räume mit seinem betont unreifen Pinsel verwüstet, als wollte er die Architektur in Grund und Boden kritzeln, das erinnert mich halt irgendwie an die "Habe hineingespuckt"-Taktik. (Was ich besudelt habe, ist meins!) Doch jetzt weiß ich: Er hat ein strenges Über-Ich. Darauf hat mich nicht etwa der Titel von seinem neuen Bildband im Jovis-Verlag gebracht ("Me, myself and I"). Die Galerie Krobath zeigt seine Tafeln mit Farbproben. Und wie er das Blaufür ein Projekt ausgesucht hat, das grenzt ja bereits analtmeisterlichen Perfektionismus. Das imponiert mir.

Galerie Krobath

(Eschenbachgasse 9), Otto Zitko, bis 29. Oktober

Di. - Fr.: 13 -18 Uhr, Sa.: 11 - 15 Uhr

Galerien