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Feenstaub von Feen aus Käfighaltung


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(cai) Nanu? Wo sind denn die hinigen Viecher? Und ich war schon so gespannt, was er wohl diesmal in Formaldehyd einlegt. Ein Reh vielleicht? (Titel: "My Great-Grandfather Shot Bambi’s Mother Dead.") Ein bissl enttäuscht bin ich. Stell dir vor, der Damien Hirst macht eine Ausstellung und nicht einmal eine Sardine schwimmt hin. Oder eigentlich nicht hin, sondern im Öl. Wer aus einem ausgewachsenen Tigerhai quasi ein Essiggurkerl macht (ihn einlegt), erzeugt halt eine gewisse Erwartungshaltung. (Den schlampert auf Schmierpapier gekritzelten Hai empfinde ich hier natürlich als Provokation.) Wenigstens eine Forelle (als Hommage an unsern Schubert Franzl) hätte er uns gönnen können. Stattdessen: Trockenes Papier. Nein, eh benutztes. Druckgrafiken. Mit vielen Schmetterlingen drauf. Aha, weil ein einzelner eben noch keinen Frühling macht. Na ja, außer in der Chaostheorie. Da reicht ja immer einer. Der Flügelschlag von einem einzigen Schmetterling im Bauch kann angeblich so starke Winde bewirken, die blasen einem sogar die Hummeln aus dem Hintern.

Aber auf Chaos steht der Damien Hirst sowieso nicht. Wenn er den bunten Flatterern die Flügerln ausreißt wie ein verliebtes Mädchen den Blumen die Blütenblätter ("Ich komm in den siebenten Himmel, ich fahr’ zur Hölle, ich komm in den Himmel, ich lass einen fahren . . .), ordnet er nachher alles zu perfekten Ornamenten. Zu gotischen Fensterrosen. Möglich, dass die Flügerln pro Rosette, addiert, 21 Gramm ergeben. Das mutmaßliche Gewicht der Seele. Ob das Glitzerzeug da überall drauf echter Feenstaub ist? Bestimmt. Der Hirst züchtet ja sicher neben seinen Schmetterlingen auch Feen daheim, die er regelmäßig abstaubt. Feenstaub aus Käfighaltung. Er macht es sich jedenfalls nicht leicht. Auf einen Totenschädel hat er gar 8601 Diamanten gepickt. Billiger Ästhetizismus? Nein, der teuerste. Das teuerste Werk eines lebenden Künstlers. Diesen anonymen Toten hat er also reich gemacht wie Tutanchamun. (Fast.) Reißerisch schön, dieser nekrophile Glamourkitsch. Eine total oberflächliche Kunst. Total? Nein. Ein Opus im Stil des Smarties-Pointillismus (nix als farbige Punkterln), das ist kein Bild, das ist ein Code. Die verschlüsselte chemische Formel eines Krebsmedikaments. Das fällt unter intelligente Banalität. Ach, ich verzeih dem Hirst, dass wir ihm nicht einmal ein Fischstäbchen wert sind, ein leibhaftiges. Außerdem: Drei der Schmetterlinge sind eh richtige Leichen. Nicht dass die meine Sensationslust befriedigen täten. Da geilt mich die blutige Spritze unmittelbar daneben mehr auf.