Rassismus, hübsch verpackt: "Mulatta".
Rassismus, hübsch verpackt: "Mulatta".

Als Mutter muss man/frau schon gute Nerven haben. Überhaupt, wenn es um Texte von farbigen Rappern und Hip-Hop-Formationen geht. Da wird oft kein gutes Haar an der Mutter eines Konkurrenten, Gegners gelassen: ein weit verbreitetes Stilmittel der afroamerikanischen Community, sein Gegenüber zu beleidigen. Wobei der Ausdruck "Sunuvabitch" noch zu den harmloseren zählt, der es sogar schafft, in US-Filmen oder Talk-Shows nicht vom nervigen "Beep" übertönt zu werden. Eine Art der Sprache, die in der heutigen Zeit ob ihrer Frauenfeindlichkeit zu hinterfragen ist. Auch wenn die Gefahr besteht, dieses Moment bei einer isolierten Betrachtung auf andere Tendenzen, Strömungen wie erlebter Rassismus, Gewalt und Unterdrückung, die ebenso in diese Musik einfließen und integraler Bestandteil dieser Kultur sind, zur Seite zu schieben. Die Künstlerin und Kuratorin Ina Wudtke versucht nun im Kunstraum NÖ mit der Ausstellung "Ask Yo Mama" diese despektierlichen Texte wörtlich zu nehmen und die Geschichte von einer anderen Seite aufzuziehen.

Wobei sich vorab eine grundsätzliche Frage stellt: Wie bringt man "schwarzen Sound" in einen White Cube? In dieser Schau stellt sich diese Frage nur theoretisch. Die meisten Arbeiten abstrahieren in der Verwendung von Fotografien, Videos oder Skulpturen die Musik und Texte stark. In einigen Arbeiten geht die Abstraktion zu weit. Wie bei den Skulpturen von Anna Zwingl. Sehr feine, reduzierte Objekte, die sich auf Thesen des brasilianischen Architekten Oskar Niemeyer berufen. Niemeyer ist ein Verfechter von Kurven in der Architektur, und diesen Ansatz unterstreicht Zwingl. Spannend, aber die stringente Verbindung zum Thema ist nicht schlüssig. Anders bei den Werken von Sonia Boyce. Ihr "Devotional Wallpaper" listet 200 schwarze Musikerinnen auf. Diese beeindruckende Wandarbeit macht deutlich, wie präsent diese Künstlerinnen im Musikgeschehen sind. Wobei die Präsenz zweideutig ist. Sie sind ein bedeutender Faktor, aber noch immer erschweren die Attribute "Frau" und "schwarz" ihre Karriere. Oder die Fotografieserie "Herstory: Ask Yo Mama" von Ina Wudtke. Wudtke beschäftigt sich mit Künstlerinnen, die sich in den 20er, 30er Jahren im deutschsprachigen Raum mit schwarzem Sound beschäftigten. Im Zuge dieser Recherchen stieß sie auf die Tänzerin Valesa Gert, die eine ausgesprochen moderne Tanzperformance entwickelt hat. Anhand von 30 Fotografien formuliert Wudtke, im Kostüm der Künstlerin, mimisch den Titel der Ausstellung. Die hervorstechendste Arbeit der Schau ist jene der Puerto-Ricanerin Yvette Matern, "Mulatta". Die angenehme Barsituation der Lichtinstallation, mit einem eigens komponierten Sound des Jazzmusikers Don Byron, wird durch den Schriftzug "Mulatta" radikal gebrochen. Ein rassistischer Ausdruck, der in den 20ern entstanden ist. Eine beeindruckende Installation, die unmittelbar den Bezug zur Ausstellung herstellt.

Es liegt nicht an den Arbeiten, dass sich ein emotionaler Bezug zum Konzept von "Ask Yo Mama" schwer herstellen lässt. Wahrscheinlich liegt es am engen Konzept selbst, dass das spannende Thema den Besucher nicht zu fesseln vermag.