Die Idee des Gesamtkunstwerks: Gustav Klimt, Beethovenfries, 1901/02.
Die Idee des Gesamtkunstwerks: Gustav Klimt, Beethovenfries, 1901/02.

Der Fokus auf die Gemeinsamkeit von zwei doch sehr verschiedenen Charakteren, die sich in der neuen Idee des Gesamtkunstwerks der Wiener Secession um 1900 trafen und kongenial agierten, rechtfertigt die Rekonstruktion von Räumen, die Gustav Klimt und Josef Hoffmann gemeinsam gestaltet haben. Was bei der Ausstellung 2008 über die Kunstschau noch nicht überzeugte, ist jetzt gelungen - dazu können sich die Leihgaben aus internationalen Museen und Privatbesitz sehen lassen. Das Belvedere eröffnet den Reigen der Wiener Museen zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt, ohne den Schauraum im Oberen Belvedere auszuräumen.

Besucher werden von der Rekonstruktion des Klimtsaales in der Beethoven-Ausstellung der Secession 1902 empfangen - die Kopie, die während der Restaurierung des Originals hergestellt wurde, macht es möglich; die leider verlorenen Schmuckplatten von Hoffmann, Ernst Stöhr, Max Kurzweil oder Emil Orlik, der Vorhang für die Balustrade und ein Modell ergänzen das.

Eine Frage des Stils


Im Katalog sind alle Teile in Rekonstruktion endlich wieder sichtbar gemacht. So setzt sich der Haupttenor auch fort: Eine Skizze zu Max Klingers Beethoven sitzt im Marmorsaal und blickt versonnen in den Garten. Modelle wie jenes vom Atelier Fernand Khnopffs, zur Kunstschau und zum Palais Stoclet in Brüssel vertreten die Architektur. Pläne sind zumeist in den Katalog oder auf die für Besucher abreißbaren Wandtexte verbannt.

Besonders aufwendig ist ein Raumteil des Palais mit Carrara-Marmor, Parkettboden, Lampen und Metallgittern rekonstruiert, Georg Minnes Skulpturen ergänzen im Original, der kopierte Läufer aus dem dortigen Musikzimmer erstreckt sich noch über weitere Säle bis in drei Wiener Wohnungseinrichtungen Hoffmanns zu Damenbildnissen von Klimt. Sie hängen nicht museal, sondern Marie Henneberg in ursprünglicher Höhe über dem Kamin, Hermine Gallia auf Stofftapete und davor stehen Hoffmanns Möbel, wie auch Teile des Klimt-Ateliers von ihm. Hoffmann hatte dem Bohemien während dessen Abwesenheit für noble Besucher ein Empfangszimmer mit seinen repräsentativen schwarzen Möbeln ausgestaltet. Der schwarze Hintergrund für Fritza Riedler rundet die didaktische Note der Stil- und Geschmackfragen ab, die in dieser Ausstellung mit dem Grafikerteam geschärft wurden.

Der starke Austausch der Wiener Künstler untereinander und mit den belgischen Symbolisten Jan Toorop und Khnopff in der Malerei wird durch die Themen Fatalismus und Schweben abgehandelt, die angewandte Kunst schaffte jedoch mit Hoffmann den Wandel von der geschwungenen, von Girlanden und Wasser angeregten Linie des Jungendstils zur strengen geometrischen Form. Wieder sind hier die Einflüsse aus Belgien, den Niederlanden wie auch aus Frankreich und England wichtig.

Die Frau als Blume



Klimts "Nuda Veritas" wird erstmals der Feenkönigin "Acrasia" Khnopffs gegenübergestellt, die "Sonnenblume" und das Bildnis "Barbara Flöge" (Mutter von Klimts Lebensmensch Emilie) kommen aus Privatbesitz als Gegenüberstellung. Da ist auch das damals gängige Bild der Frau als Blume und Natur neben dem Mann als Ritter, Schöpfer und Messias für eine nötige neue postfeministische Sicht auf den Geschlechterkampf der Jahrhundertwende aufbereitet. Der prunkhaft gestaltete Saal für die Villa Stoclet vermisst die Originalentwürfe des Frieses aus dem MAK, das Blatt der Übertragung des Liebespaares für das Mosaik in Brüssel durch die Wiener Werkstätte aus Privatbesitz fällt da in der Qualität sichtbar ab, zu starr sind die Formen gegenüber den Werkzeichnungen des Meisters. Doch in Wien will jedes Museum seine Klimtschätze verständlicherweise 2012 selbst hervorheben. Dies führte hier aber zu besonderen internationalen Leihgaben.