• vom 29.02.2012, 16:53 Uhr

Kunst

Update: 29.02.2012, 17:42 Uhr

Ausstellungskritik

Das Museum als Autosalon




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Von Julia Rumplmayr

  • Im Linzer Lentos widmet man sich dem Auto als Skulptur und Kultobjekt

Im Boliden-Skulpturenpark: Künstler beschäftigen sich mit dem Kultobjekt Auto, "Gimme Gummi
(Autorotation)", 2003, von Leo Schatzl, Severin Hofmann, David Moises

Im Boliden-Skulpturenpark: Künstler beschäftigen sich mit dem Kultobjekt Auto, "Gimme Gummi
(Autorotation)", 2003, von Leo Schatzl, Severin Hofmann, David Moises

"Das erste Mal, als ich den Raum nackt gesehen habe, hat er mich an die Parkgarage des Batman-Films erinnert, wo ein einziges fettes Auto drinsteht." Der weitläufige hohe Ausstellungsraum des Linzer Kunstmuseum Lentos brachte nicht nur den österreichischen Biennale-Vertreter Markus Schinwald auf automobilistische Ideen, als er im Oktober bei seiner Einzelausstellung mit der "Wiener Zeitung" sprach.

Information

Ausstellung
Car Culture.
Das Auto als Skulptur
Lentos Kunstmuseum
2. März bis 4. Juli 2012


Seine Vision wurde Realität: Allerdings ist nun nicht nur "ein einziges fettes Auto" zu sehen, man wandelt durch einen ganzen Autosalon. Durch einen Skulpturenpark der Gummiprofile und Blechchassis, ohne Motorenlärm und Abgasgestank. Die 23 Autoarbeiten im Linzer Lentos, die in der Ausstellung "Car Culture" bis 4. Juli zu sehen sind, bewegen sich (vorerst) nicht von der Stelle.

"Das Auto ist die Plastik d es 20. Jahrhunderts"

Manche sind fahrtüchtig, andere reifenamputiert, verschrottet oder bloß angedeutet. "Das Auto ist ein zentrales Objekt unserer Gesellschaft und als solches affektiv besetzt", meint Lentos-Direktorin Stella Rollig. Die Blechhaufen sind mehr als fahrbare Untersätze, sie erweitern die Identität ihrer Fahrer. Das Auto ist geliebtes Accessoire, dem Geld und Zeit für Instandhaltung gewidmet wird und gehasstes Vehikel, das Kosten, Unfälle und Umweltverschmutzung verursacht.

"Das Auto ist die Plastik des 20. Jahrhunderts", sagte der 1998 verstorbene deutsche Künstler Wolf Vostell über die Gefährte, die nicht nur in der Technik ihre Spuren hinterlassen. Nahezu seit es das Automobil gibt, beschäftigen sich auch Künstler mit dem Kultobjekt. Aus Anlass von 125 Jahren Automobil konzipierte Peter Weibel im vergangenen Jahr im Medienmuseum in Karlsruhe die Ausstellung "Car Culture", die nun ein Jahr später in Linz zu sehen ist. Allerdings in so modifizierter Form und mit einigen zusätzlichen Positionen, dass für die Linzer Schau nun auch ein eigener Katalog herausgegeben wurde. In Linz ist etwa Erwin Wurm nicht mit seinem wohlbekannten "Fat Car" vertreten, sondern mit seinem "Renault 25/1991", der in seiner durchgängigen 45-Grad-Neigung beim Passanten nahezu Schwindelgefühle hervorruft.

Eine fahrende Discokugel machte der Grazer Künstler Gustav Troger aus einem Smart, der mit Spiegelscherben beklebt wurde, im Inneren baumelt ein Wunderbaum, auf den Beifahrer wartet ein Spiegelhelm. Einem wahren Kultobjekt näherte sich Ecke Bonk mit seinem Trabant E-Klasse, der in elegantem hochglänzendem Schwarz auf einem Podest kreist. E steht für Elite und für Einheit, erklärt der Künstler, der aus Anlass von 20 Jahren Wiedervereinigung den "Trabbi rehabilitieren" wollte. Während der Trabant zum Luxusobjekt wird, macht der Bregenzer Gottfried Bechtold ein Luxusauto zum Fall für die Schrottpresse: Für "Verdichtung 997" komprimierte er einen fabriksneuen Porsche Carrera zum Blechblock. Folke Köbberling und Martin Kaltwasser zeigen in "Crushed Cayenne", wie die Kräfte auch auf schwere Luxus-SUVs wirken können. Sie bildeten zwei Porsche Cayenne aus Sperrholz nach und ließen sie folgenschwer aufeinandertreffen.

Die Konnotationen, die das Kultobjekt Porsche umgeben, regte auch den Linzer Hannes Langeder zu seinem goldenen "Ferdinand" an, dem langsamsten Porsche der Welt. Das glamouröse Auto, das eigentlich ein Fahrrad ist, verursachte schon 2010 Staus in der Linzer Innenstadt und wird auch 2012 auf große Fahrt gehen. Langeders neue Arbeit wird am 24. März in einer Autoshow präsentiert. Eine ruhigere, besonders eindringliche Arbeit ist Fritz Panzers "Volkswagen": Aus Draht fertigte er eine dreidimensionale Skizze eines VW Golf, die wie aus einer anderen Welt scheint. Panzer: "Ich betrachte das Auto als etwas, das mir fremd ist."




Schlagwörter

Ausstellungskritik, Autos, Lentos

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-02-29 16:20:13
Letzte Änderung am 2012-02-29 17:42:31


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