Eine Schokatzin, um 1891 von Ignác Roskovics gemalt. Foto: ÖNB
Eine Schokatzin, um 1891 von Ignác Roskovics gemalt. Foto: ÖNB

Völker waren sie der Donaumonarchie mit eigenen Trachten und eigenen Bräuchen. Doch nicht nur den Völkern selbst nähert sich die Nationalbibliotheks-Ausstellung "Altösterreich – Menschen, Länder und Völker in der Habsburgermonarchie", sondern auch der Ethnographie.

Das "Kronprinzenwerk"

Schon Ende des 18. Jahrhunderts interessierte sich Kaiser Leopold II. dafür, die Völker und Volksgruppen der Habsburger-Monarchie gleichsam zu inventarisieren. Als im Zuge der Französischen Revolution der Gedanke des Nationalstaats immer stärker wurde, versuchten die österreichischen Monarchen dem einen Vielvölkerstaat mit gleichberechtigten Völkern gegenüberzustellen. Dies zu dokumentieren, wurden Ethnographen und Maler beauftragt. Höhepunkt der Unternehmungen war das 1883 von Kronprinz Rudolf in Auftrag gegebene sogenannte "Kronprinzenwerk", eine letzten Endes 24 Bände umfassende Enzyklopädie über Landschaften und Völker der Kronländer. Hervorragend dokumentiert die Schau der Nationalbibliothek, wie die Mitarbeiter für das "Kronprinzenwerk" ausgewählt wurden und Künstler Fotos in Lithographien übertrugen, um den Bänden ein einheitliches Erscheinungsbild zu verleihen.

Die Bilder von Künstlern wie Franz Jaschke, Josef Köpf oder Gabriel von Hackl können dabei heute auch als Porträts namentlich längst vergangener Menschen gesehen werden, deren melancholischer Blick bisweilen das Idyll zu hinterfragen scheint.

Überhaupt ist Vorsicht geboten mit der Verklärung der Donaumonarchie zu einem Modell für ein multi-ethnisches Europa. Denn der Habsburger-Staat galt auch als Völkerkerker, und die Spannungen zwischen den Volksgruppen waren einer der Auslöser für den Ersten Weltkrieg. Das gleichwohl faszinierende Thema Altösterreich ist also nicht nur Modell, sondern auch Warnung.