Kaiser Maximilian I. (1459-1519) gab sich als letzter Ritter aus, auch wenn er bereits mit der modernen militärischen Kraft von Artillerie und Infanterie kämpfte. Er liebte den heiligen Georg, Turniere und nützte die Kunst als besonderes Mittel der Propaganda.

Kaiser Maximilian unterwegs: Albrecht Altdorfer, der Wagen des Kaisers aus dem "Triumphzug Kaiser Maximilians I.". - © Albertina
Kaiser Maximilian unterwegs: Albrecht Altdorfer, der Wagen des Kaisers aus dem "Triumphzug Kaiser Maximilians I.". - © Albertina

Um seine Person geeignet ins Bild zu setzen, beauftragte er die berühmtesten Künstler um 1500 für fantastische Genealogien, die Historie seiner Taten, Weltkarten und Stadtpläne, aber auch viele Porträts. Entwerfer des Programms war er selbst, der geschickte Heiratspolitik nach Vorbild seines Vaters betrieb. Zur Verbreitung seiner imperialen Memoria in ganz Europa diente ihm das neueste grafische Medium des Holzschnitts. Als größtes Beispiel der Selbstinszenierung gilt der ehedem 100 und heute immer noch 54 Meter lange "Triumphzug Kaiser Maximilians I.", der 1512 bis 1515 von Albrecht Altdorfer und seiner Werkstatt nach genauen Vorgaben des Auftraggebers in Deckfarben geschaffen wurde.

Ein Bilderband auf Reisen mit dem wandernden Hof

Seit der Dürer-Ausstellung 2003 in der Albertina besteht der Plan, das Bilderband auf Pergament, das wahrscheinlich in einer Rolle aufbewahrt und von Maximilians wanderndem Hof mitgeführt wurde, zu präsentieren. Dafür war eine langjährige Konservierung und Reinigung nötig, vor allem der Klebstoff und die Falten wurden entfernt, die Teile auf Japanpapier gefestigt und geglättet. Die Farben sind von erstaunlicher Frische, was mit Altdorfers berühmter "Awarenschlacht Karls V.", einem Ölbild des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg von 1518, oder der "Ehrenpforte" Altdorfers, einem kolorierten Holzschnitt von 1515, gut verglichen werden kann.

Im 17. Jahrhundert verliert sich die Nachricht über den Verbleib des ersten Teiles dieses Hauptwerkes von Altdorfer, zwei Kopien lassen aber die Bildfolge gut nachvollziehen. Von Albrecht Dürer sind wunderbare Vorzeichnungen zum kolorierten "Triumphwagen" in der Albertina erhalten und nun Vergleichsbeispiele. Aber auch Hans Süss von Kulmbach und Hans Burgkmair haben für die kaiserliche Machtinszenierung besondere Blätter geschaffen. Der "Triumphzug" Altdorfers ist eine Aneinanderreihung der Taten und Tugenden des Kaisers, zeigt sein Heer, seine Siege, seinen Hofstaat, seine Familie und zuweilen auch ein wenig Landschaft - alles mehr Fantasie Altdorfers als reale Begebenheit, der Künstler war nie in Burgund, der Festzug ist Fiktion. Genauso konstruierte Maximilian auch seine Legitimation als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ab 1508 durch Ahnentafeln, die ihn mit Julius Cesar, biblischen Gestalten sowie mit dem griechischen Helden Hector, aber auch dem Babenberger Markgrafen Leopold in Bezug bringen.

Dürer kam ihm mit der Kreide am nächsten


Als humanistisch gebildeter "letzter Ritter" gehörte die Förderung der Wissenschaften und Künste zu seinen Tugenden und für Turniere ließ er sich Prunkharnische wie den Kürass von Lorenz Helmschmied aus blankem Eisen anfertigen; sein Prunkschwert kam aus Mailand, seine Armbrust aus Spanien. Seine Frauen und Kinder malten neben Dürer und Altdorfer auch Bernhard Strigel, Bernard van Orley, Joos van Cleve oder Niklas Reiser. Dürers Bildnis in einer Kreidezeichnung von 1518 soll seinem Aussehen am nächsten kommen. Das geplante monumentale Grabmal mit der Genealogie in Metallguss, die "Schwarzen Mander", steht heute in der Hofkirche von Innsbruck vor einem leeren Grab. Maximilians Gebeine ruhen in der Georgskapelle der Burg von Wiener Neustadt, nahe seiner Mutter Eleonore im dortigen Neukloster.

Maximilians letzte Inszenierung zeugt von der Angst vor göttlicher Bestrafung für seinen Hochmut zu Lebzeiten: Das Totenbildnis eines anonymen Künstlers hat er wohl auch noch beauftragt. Es zeigt, wie sich der Kaiser nach dem Tod 1519 durch Geißeln, Scheren und Ausbrechen der Zähne als Demutsgeste zurichten ließ. Seiner Titel verlustig gemacht und mit roter Kappe wird hier erschütternd die Absage an alle weltliche Macht festgehalten - bis zuletzt bedacht auf ein Interesse an gerechter Nachrede.

Die Planung ging auf: Zwar hatte Maximilian keinen Kreuzzug und auch nicht die Abwendung der osmanischen Bedrohung geschafft, aber die Kunstwerke erzählen von Siegen, von der Begleitung durch die Musen, Fantasiewesen, aber auch von Tod und Teufel neben dem heiligen Georg, seinem christlichen Pendant. Architekt Martin Kohlbauer gelang mit einem roten und blauen Vorhangparavent in einem Zickzackband zu violetter und grüner Wandfarbe, die 54 Meter Triumphzug in der Basteihalle schön zu inszenieren.