• vom 04.10.2012, 18:52 Uhr

Kunst

Update: 04.10.2012, 18:52 Uhr

Kunst

Ein Virtuose der Auen und Gärten




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer


    Schindler: "Im Garten von Schloss Niederweiden" (1885). - © Privatbesitz

    Schindler: "Im Garten von Schloss Niederweiden" (1885). © Privatbesitz

    Der Todestag von Emil Jakob Schindler (1842-1892) und sein Geburtstag jähren sich heuer, doch noch mehr ist die ungebrochene Beliebtheit des Landschaftsmalers und eine wissenschaftliche Revision der Anlass für eine Gedächtnisausstellung in zwei Sälen des Oberen Belvedere. Schon während seines Studiums bei Albert Zimmermann an der Wiener Akademie kam neben dem Realismus von Ferdinand Georg Waldmüller der Einfluss der französischen Protoimpressionisten, die sich in der Schule von Barbizon vereinigten, durch Ausstellungen in Wien und München dazu. Sie plädierten für ein Malen in der freien Natur und eine Konzentration auf Luftspiegelung, Wetter- und Lichtstimmungen im Laufe der Jahreszeiten; im Gegensatz zu den Romantikern mit ihren erhabenen Motiven ging es um eine neue Einfachheit der Motive, das Alltägliche stand nun über dem Heroischen.

    Information


    Ausstellung
    Emil Jakob Schindler. Poetischer Realismus
    Alexander Klee (Kurator)
    Oberes Belvedere, bis 13. Jänner


    Schindler gründete 1884 im niederösterreichischen Plankenberg eine eigene Malschule, um sein Auskommen zu sichern, er unterrichtete neben Carl Moll auch Marie Egner und Olga Wiesinger-Florian, da Frauen noch nicht an Akademien zugelassen waren. Mit seiner Kollegin Tina Blau, auch mit Hans Makart teilte er Ateliers. Reisen unternahm er nach Ragusa, Korfu oder Sylt, um auch das Meer und seine Küsten in Skizzen festzuhalten; in Sylt starb er 1892 an einem Blinddarmdurchbruch. Das Belvedere besitzt eine große Auswahl an Exponaten, nicht nur Schindlers berühmten Ansichten der Praterauen, des Wienerwalds und der Mühle in Plankenberg in verschiedenen Tages- und Jahreszeiten-Stimmungen.

    Sinn für die Wirklichkeit
    Der unglückliche Begriff "Stimmungsimpressionismus" geistert schon lange für Schindler und die von ihm geprägte österreichische Landschaftsmalerei von etwa 1880 bis 1900 durch die Kunstgeschichte. Kurator Alexander Klee greift wieder auf den schon von Zeitgenossen verwendeten Ausdruck "poetischer Realismus" zurück, da dies in Korrespondenz zu Peter Rosegger oder Theodor Fontane seinem Stil noch mehr entspricht als die Alternative "Stimmungsrealismus". Wie Camille Corot in Frankreich skizzierte Schindler vor der Natur sowie zum Teil nach eigenen und gekauften Fotografien, und er war sich der hohen Qualität seiner Studien bewusst. Nach einer Donauregulierung samt Abholzungen und dem Verschwinden der alten Mühlen verzichtete er auf das Abbilden der neuen Dampfschiffe auf dem Fluss, da das Industriezeitalter ihm als Zerstörung der Natur bewusst wurde.

    Besondere Gemälde wie die einfachen Blumengärten, Nachtstücke im Prater oder auch der Friedhof von Ragusa, den er in "Pax" 1891 zu einer Art Toteninselmotiv wie von Arnold Böcklin hochstilisierte, zeigen den Vater der späteren Gesellschaftsdame Alma Mahler als eine besondere Begabung im aufkeimenden Impressionismus, dem er aber durch Einfluss des Wiener und holländischen Realismus eine besondere Note verlieh.




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2012-10-04 15:59:05
    Letzte Änderung am 2012-10-04 18:52:51


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