Wien. Zum Jahrestag ihres ersten Zusammentreffens mit John Lennon (am 9. November 1966) verabredete sich Yoko Ono mit der "Wiener Zeitung" im Wiener Hotel Sacher. Jenem Ort, an dem sie 1968 - in einen Sack gehüllt und an der Seite ihres Mannes - "die totale Kommunikation" praktizierte. Kurz vor ihrem 80. Geburtstag im kommenden Jahr stehen Onos Person und ihre Kunst stärker denn je für sich alleine. Der Wind dreht sich: Die Kunst- und die Popwelt übt sich in Wiedergutmachung. Zu Gast in Wien war Ono, die im Frühjahr den Oskar-Kokoschka-Preis erhalten hat, auf Einladung der Universität für Angewandte Kunst: Sie war Ehrengast bei einer Konferenz europäischer Kunstunis.

**********

"Wiener Zeitung": Vor wenigen Tagen meinte Paul McCartney, dass Sie "sicherlich nicht die Beatles auseinandergebracht" haben. Kümmert Sie so eine Aussage überhaupt noch? Und wenn ja, was bedeutet Sie Ihnen?

Yoko Ono: Ich glaube, dass das vielen Menschen wichtig ist. Und ich glaube, dass Paul da für viele Menschen steht. Daher ist es auch sehr wichtig, dass er sich so geäußert hat. Und ich danke ihm dafür. Ich weiß auch, dass es sehr schwierig für ihn war, das zu sagen.

Zu Ihrem 80. Geburtstag werden Sie 2013 das Londoner Meltdown Festival für Musik und Kunst kuratieren. Welchen Rahmen möchten Sie dem Festival geben?

Ja, es wird wirklich spannend! Sie haben gerade das Wort Rahmen benutzt, das ist sehr interessant. Ich kann ja nur zeigen, wie es in meiner Gemütsverfassung aussieht, welchen Rahmen meine Verfassung hat. Ich werde mein Bestes geben, um zu zeigen, was ich in den 80 Jahren meines Lebens erlebt und gefühlt habe.

Letztes Jahr sind Sie mit Ihrem Sohn Sean live aufgetreten. Was bedeutet es Ihnen, vor Publikum zu spielen?

Ich habe damals gesagt, dass sei eine "Familienangelegenheit", weil Musikmachen für uns wie Atmen ist. Ich genieße es immer noch, auf der Bühne zu "atmen". Wir machen das auf der Bühne, weil wir uns mit so vielen Menschen austauschen müssen. Aber ich empfinde es nicht als Bühne. Für mich ist es wie ein Kommunikationszentrum, man kann mit allen in Verbindung treten.

Sie engagieren sich für die Freiheit des Einzelnen und protestierten etwa 2007 dagegen, dass die Radiomoderatorin Sook-Yin Lee ihren Job verlor, weil sie im sehr freizügigen Film "Short Bus" mitspielte. Ist unsere Gesellschaft restriktiver als jene in den 60ern?