• vom 07.01.2013, 16:39 Uhr

Kunst

Update: 07.01.2013, 16:47 Uhr

Künstlerhaus

Fluchtfigur als Sozialtransporter




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Künstlerhaus feiert Otto Neuraths 130. Geburtstag mit der Ausstellung "Zeit(lose) Zeichen"

Karl Heinz Klopfs Â"60 Sekunden in den Farben meines HemdesÂ" (2006).

Karl Heinz Klopfs Â"60 Sekunden in den Farben meines HemdesÂ" (2006).© Klopf Karl Heinz Klopfs Â"60 Sekunden in den Farben meines HemdesÂ" (2006).© Klopf

Sie begegnen uns im dunklen Kino als Lichtsignale: die Fluchtfiguren in Richtung Ausgang. Bei der Suche nach dem von Peter Handke kürzlich poetisierten stillen Ort sind sie vonnöten: die trennenden Symbolfiguren für Mann und Frau, international verständlicher als Anfangsbuchstaben der jeweiligen Sprache. Peter Weibel entfernte schon 1988 im MAK die Toilettenkennzeichnung und stellte sie als Buchstabenkunstwerk aus - bedürftige Besucher waren verwirrt, sie mussten wählen, die Geschlechterordnung war zwar aufgehoben, aber die Ordnung gestört. Wie politisch Information eingesetzt werden kann, wusste schon der Wiener Sozialphilosoph Otto Neurath (1882-1945), der die für alle lesbare Infografik erfand, um Bildungsfaktoren im Alltag für alle zugänglich zu machen.


Die Erben Neuraths
Dem Mitglied des Wiener Kreises, der eine naturwissenschaftliche Weltauffassung im Umfeld der Wiener Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit propagierte, während die Staaten Europas in Richtung Diktatur unterwegs waren, ist zum 130. Geburtstag eine interessante Schau im Erdgeschoss des Künstlerhauses gewidmet. Die internationale Wissenschaftssprache Neuraths sollte sich über "Die Wiener Methode der Bildstatistik", kurz Isotype (International System of Typographic Picture Education) genannt, miteinander austauschen. Seine Utopie ist zwar nicht gänzlich aufgegangen, vor allem in Österreich war ihr Erfinder lange Zeit vergessen, aber in England und Amerika bekannt. Die Erben Neuraths finden sich heute im Universal Design des Internets und anderen Medien, im öffentlichen Raum und in der Kunst. Die Angelpunkte bilden Leitsysteme - das haben sie mit heutigen komplexen Strategien von Künstlerwissenschaftern wie Weibel, Jun Yang oder Harun Farocki gemeinsam.

Karteikarten ohne Ergebnis
Die Ausstellung wurde im Teamwork von Kunsthistorikerin Maria Christine Holter und der Künstlerin Barbara Höller gestaltet, trägt aber auch noch die Handschrift des scheidenden Direktors Peter Bogner, der als Architekt und Kunsthistoriker die "fundamentalen Leistungen" Neuraths und seiner Grafiker Gerd Arntz und Marie Reidemeister in der globalen Kommunikation urbanen Lebens unterstreicht. Holter wurde durch ein Kunstwerk Waltraud Palmes von 1995 angeregt. Ihr "Zeichen:Tisch" bietet 2760 verfremdete Zeichen in einem Karteikartensystem an, das auf dem Tisch vom Publikum durchgeblättert werden kann, aber bei aller Suche - ähnlich Weibels Dysfunktion von Toilettensymbolen - zu keinem Ergebnis führt. Dies gemahnt an die Wichtigkeit lesbarer Piktogramme in unserem Alltag, zeigt sich aber auch zeichenkritisch wie Farocki, der alte politische Allegorien wiederfindet und Lenkbarkeit in Einstufung von Migration oder, wie Alexander Lehmann vorführt, selbst Terrorismus. Kollektiv migrants entwickeln in Berlin aber optimistisch für Migranten einen neuen Zeichendialog und open3.at fördert Datenjournalismus.

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Künstlerhaus, Kunst

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-01-07 16:44:04
Letzte Änderung am 2013-01-07 16:47:04


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