Kunstmesse Arco in Nöten: Die ehrwürdige Kunstmesse kämpft mit der Krise, im Bild: Markus Oehlen, Ohne Titel (2008). - © G. Aizpuru
Kunstmesse Arco in Nöten: Die ehrwürdige Kunstmesse kämpft mit der Krise, im Bild: Markus Oehlen, Ohne Titel (2008). - © G. Aizpuru

Madrid. Die Pressekonferenz fand nicht statt. Angesetzt war sie für vergangenen Mittwoch, dem Eröffnungstag der Madrider Kunstmesse Arco. Die Journalisten warteten jedoch vergeblich auf eine Stellungnahme des Direktors der einst weltweit zweitgrößten Messe für zeitgenössische Kunst. Doch was hätte Carlos Urroz, der vor etwas mehr als zwei Jahren überraschend den undankbaren Job des Leiters der Messe angetreten ist, auch erzählen können?

Der Kampf ums Überleben, das Ringen um Positionierung war für jeden, der regelmäßig die Messe in Madrid besucht, nicht zu übersehen. Die Zahl der teilnehmenden Galerien ist in den vergangenen Jahren um ein Drittel gesunken, die opulenten Einladungen, Empfänge und Eröffnungen wurden auf ein Minimum reduziert und selbst bei der Bezahlung der Stände kam die Messeleitung den Galerien mit einer kulanten Ratenzahlung so weit entgegen, dass sie die letzte Rate erst nach dem Ende der Messe zu bezahlen hatten. Die spanische Regierung hat zudem die Mehrwertsteuer für Galerien von 18 auf 21 Prozent, für Künstler gar von 8 auf 21 Prozent erhöht. Der ideale Zeitpunkt also, um die angebotenen Kunstwerke noch zu verteuern.

Devise: Durchhalten


Da war es nur verständlich, dass Carlos Urroz lieber in persönlichen Gesprächen mit Journalisten seine weiteren Pläne darlegte: Selbst nach den radikalen Einschnitten werde die Messe weiterhin organisiert werden, ihr Ruf sei international noch immer hervorragend, namhafte und renommierte Galerien aus 27 Ländern seien trotz widriger Umstände auch dieses Jahr gekommen und auch über 150 internationale Sammler seien der Einladung der Arco gefolgt. Alles in allem bestehe für Urroz kein Grund aufzugeben. Durchhalten sei die Devise.

Beim Rundgang über die Messe bestätigte sich die Ankündigung des Direktors, dass bei der Qualität nicht gespart wurde. Die wesentlich geringere Anzahl an Teilnehmern ermöglichte vielen Galerien, die als Draufgabe noch ein paar Quadratmeter Ausstellungsfläche zusätzlich erhielten, hervorragende, speziell konzipierte Stände zu präsentieren, die weniger einem Sicherheitsdenken für mögliche Verkäufe geschuldet waren denn der Einstellung, wenn die Verkaufsprognosen schon düster sind, dann wenigstens Mut zu risikoreicheren, jüngeren Positionen zeigen.

In dieses Bild fügten sich auch die zehn Galerien des heurigen Gastlandes Türkei ein. Wie bei der Galerie Elipsis mit den Fotografien von Serkan Taycan (um 3200 Euro), oder bei der Galerie Rampa, die subtile Fotoarbeiten (ab 11.400 Euro) der in Wien lebenden Künstlerin Nilbar Güres zeigt, bis hin zur ungemein beeindruckenden Video-Installation von Kutlug Ataman um 150.000 Euro bei der Galerie Mana. Die Kunstszene der Türkei, derzeit gerade gegenüber Spanien am anderen Ende der wirtschaftlichen Erfolgsskala zu finden, präsentierte sich in Madrid, wenn auch noch überschaubar, als ungemein kreativ, politisch, unabhängig.

Zögerliche Kaufabschlüsse


Weiters aufgefallen: der ungebrochene (Verkaufs-)Lauf des Madrilenen Secundino Hernandez. Alle Arbeiten des Künstlers, die bei fünf Galerien, wie bei Grässlin (Frankfurt), Forsblom (Helsinki) oder Centeno (Porto), zu finden waren, waren innerhalb der ersten beiden Tage verkauft. Zumindest das größte Bild (310x250 cm) des Künstlers hatte seine "Entdeckergalerie" Krinzinger im Gepäck und es wurde um 37.500 Euro verkauft. Wie der Künstler bei dieser Nachfrage und seiner Präsenz bei derart vielen Galerien mit seiner Arbeit nachkommt, wird sich zeigen. Georg Kargl überzeugte mit einer sehr gut durchdachten Standkonzeption und konnte mit Arbeiten von Gabi Trinkaus (14.000 Euro), Liddy Scheffknecht (6er-Fotoserie zu 6600 Euro) oder einer 7er-Serie von Zeichnungen von Nedko Solakov zu 37.500 Euro bei seinen Sammlern punkten.

Jedoch konnten vereinzelte Verkaufserfolge nicht darüber hinwegtäuschen, dass die allgemeine Stimmung verhalten war und das Gros der Galerien die Verkäufe nur zögerlich abschließen konnten. Es bleibt der Eindruck, dass die Zukunft der Arco zurzeit langfristig nicht beantwortet werden kann, sondern sich die Messe eher von einer Ausgabe zur nächsten hanteln wird.