Interdisziplinärer Anspruch: Mathias Poledna beschäftigt sich häufig mit Verbindungen zwischen Kunst und Entertainment, im Bild eine Aufnahme aus seiner jüngsten Filmarbeit "A Village by the Sea", 2011, die derzeit in der Secession zu sehen ist. - © Mathias Poledna
Interdisziplinärer Anspruch: Mathias Poledna beschäftigt sich häufig mit Verbindungen zwischen Kunst und Entertainment, im Bild eine Aufnahme aus seiner jüngsten Filmarbeit "A Village by the Sea", 2011, die derzeit in der Secession zu sehen ist. - © Mathias Poledna

Mathias Poledna zählt zu den talentiertesten Künstlern seiner Generation, er wird Österreich bei der diesjährigen Biennale in Venedig vertreten. Doch zu Venedig will sich der Künstler derzeit noch nicht äußern. Mit "A Village by the Sea" zeigt nun die Secession seine jüngste Filmarbeit, die in die Welt der Musicalverfilmungen der 1930er entführt und in knapp sechs Minuten sämtliche Register des Genres zieht. All das will mindestens zweimal hintereinander betrachtet werden, so Polednas Empfehlung.

"Wiener Zeitung":Sie leben seit mehr als zehn Jahren in Los Angeles. Welche Bedingungen fanden Sie in der Westküstenmetropole vor?

Mathias Poledna: Ich wollte zu dieser Zeit Wien verlassen und dachte an Köln oder Berlin. Köln war damals ein wichtiger Standort für die bildende Kunst. Meine Vorstellung von Los Angeles war stark von Bildern geprägt, die mir wenig Lust machten, dorthin zu gehen. Tatsächlich treffen viele dieser Vorstellungen ja auch zu, zugleich gab es Dinge, die es mir sehr leicht gemacht haben, dort zu bleiben. Zunächst weniger die künstlerische Perspektive, da ich ja fast von Neuem beginnen musste, zumal die dortige Kunstszene völlig anders funktionierte als in Europa und ich kaum Anbindungen daran hatte. Während es in Europa jenseits von Galerien und Museen eine Vielzahl von Kunstinstitutionen und Ausstellungsmöglichkeiten gibt, findet man in den USA eine sehr starke Konzentration auf Galerien und Museen vor. Zugleich sind institutionelle Ausstellungen dort auch extrem formatiert: Young Artist oder Mid-career Shows und Retrospektiven. Das Spektrum an Ausstellungsformaten ist in Europa sicher breiter.

Mathias Poledna. - © G. Molterer
Mathias Poledna. - © G. Molterer

Ihre künstlerische Sozialisation fiel in die ausgehenden 1980er. Damals haben viele junge Künstler das Thema Institutionskritik aufgegriffen. Wie würden Sie den Wandel, den der Begriff durchlaufen hat, beschreiben?

Ich wäre vorsichtig, was eine historische Genealogie betrifft. Viele institutionskritische Ansätze aus den neunziger Jahren sind ja bereits in Arbeiten der früheren Künstlergeneration angelegt. Grundsätzlich wurzelt die Institutionskritik in einem erweiterten Verständnis des Kunstbegriffs, konkret in der Verabschiedung von Kunst als Objekt, die eben auch zum Hinterfragen der Rahmenbedingungen führt, unter denen eine Arbeit entsteht.