Bukarest. Im Fall des spektakulären Kunstraubs aus der Rotterdamer Kunsthalle scheint sich der Verdächtigenkreis allmählich zu schließen, jedoch fehlt von den sieben gestohlenen Gemälden im Wert von bis zu 100 Millionen Euro nach wie vor jede Spur.

So nahm die niederländische Polizei zu Wochenbeginn eine 19-jährige Komplizin der drei verdächtigen Rumänen fest. In der Rotterdamer Wohnung der Frau sollen die Bilder nach dem Diebstahl fürs Erste versteckt worden sein. Laut rumänischen Staatsanwälten, die sofort nach Rotterdam reisten, handelt es sich um die Freundin des im Januar festgenommenen 28-jährigen Hauptverdächtigen, Radu Dogaru.

Die in Bukarest laufenden Ermittlungen bringen indes wenig Erfreuliches ans Licht. So verdichten sich die Hinweise, dass mindestens zwei Kunstwerke zerstört bzw. verbrannt worden sind: Gegenüber den rumänischen Medien erklärte ein Verteidiger, dass die Mutter eines der drei in U-Haft sitzenden Verdächtigen eingeräumt habe, aus Schreck über den Medienwirbel die bei ihr versteckten Kunstwerke verbrannt zu haben. Eine polizeiliche Bestätigung dafür gibt es bisher allerdings nicht. Doch geht immerhin auch aus einem Abhörprotokoll der rumänischen Ermittler hervor, dass die Täter wegen des weltweiten Medienrummels über die verschwundenen Gemälde mächtig in Panik geraten waren: "Hätten wir sie lieber nicht genommen. Das Beste wäre, sie zu verbrennen", sagt Dogaru in einem abgehörten Telefonat.

Laut Bukarester Polizeibehörden kommt indes keiner der drei Inhaftierten als Drahtzieher in Frage - sie seien Semianalphabeten, die keinerlei Ahnung vom Wert der sieben Meisterwerke hatten. Von Picasso hatte lediglich einer der drei gehört, während "Matiz" und "Gogän" keinem etwas sagte. Den Namen Matisse hätten sie sich bloß gemerkt, weil er sie an das in den 90er Jahren in Rumänien gebräuchliche Modell des südkoreanischen Autobauers Daewoo erinnerte.

Bei dem größten Kunstraub in den Niederlanden seit über 20 Jahren waren in der Nacht zum 17. Oktober sieben Gemälde von unschätzbarem Wert gestoh-
len worden - die Werke stammten von Pablo Picasso, Henri
Matisse, Claude Monet, Paul
Gauguin, Meyer de Haan und
Lucian Freud. Danach wurden
die Bilder zunächst in die Rotterdamer Wohnung der 19-jähri-
gen rumänischen Komplizin gebracht und später ins Heimatland der Täter geschafft, wo sie laut
rumänischer Polizei wochenlang achtlos in Tragtaschen aufbewahrt wurden.