Köln. Die Stadt Köln hat die Rückgabe eines Gemäldes von Oskar Kokoschka an die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim beschlossen. Gleichzeitig nahm sie Gespräche mit den Erben auf, um zu prüfen, ob das "Portrait Tilla Durieux" vielleicht doch im Museum Ludwig bleiben kann. Denkbar sei ein Ankauf, sagte Stadtsprecher Gregor Timmer am Donnerstag. Das Bild von 1910, das heute mehrere Millionen Euro wert ist, war 1934 von dem Kunstsammler Josef Haubrich erworben worden, der es 1946 seiner Heimatstadt Köln überließ.

Haubrichs Enkel Karl-Heinz Cramer-Haubrich (71) hat gegen die Rückgabe protestiert: "Das Gemälde wurde nicht geraubt, mein Großvater hat es legal gekauft." Josef Haubrich sei selbst von den Nazis verfolgt worden. Die Akten mit den Ankaufbelegen seien jedoch beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs verloren gegangen. Am Dienstagabend hatte der Kölner Stadtrat jedoch die Restitution des Bildes beschlossen.

Zuvor hatte die beratende Kommission zur Rückgabe von NS-Raubkunst empfohlen, das Kunstwerk den Flechtheim-Erben zurückzugeben. Das Gremium erklärte, dass die Geschichte des Bildes nicht mehr lückenlos zu klären sei. Es sei aber davon auszugehen, dass Flechtheim gezwungen gewesen sei, das Kunstwerk aufzugeben.