An Gottfried Helnwein schieden sich schon in Wien um 1970/80 die Geister: Manche, wie Rudolf Hausner, der ihn als seinen Nachfolger an der Akademie sehen wollte, schätzten seine perfekte Maltechnik. Andere wiederum sein parallel zu den Aktionisten in der Malerei hervortretendes Hautthema Schmerz und Grauen, das vor allem das Kind als Hauptopfer von Manipulationen zeigte. Der Künstler war an seiner eigenen Negativerfahrung in der Wiener Nachkriegsgesellschaft orientiert und kam früh, angeregt durch Tatortfotos der Polizei, auf bis heute aktuelle Themen wie Peinlichkeit, Sadismus oder Pädophilie. Seine auf Karton gemalten "Beautiful Victims" ab 1974 brachten ihm wie die Illustrationen in Zeitungen kleinere Skandale, aber auch Preise ein.

Sonnenbrille und Tuch als Markenzeichen

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Für andere war die Malerei damals überholt, sie gingen andere Wege in Performance, Installation und neue Medien. Auch hatten die vielen Epigonen der "Wiener Schule des Phantastischen Realismus" der Grafik geschadet. Helnwein verstand es, immer geschickt gegenzusteuern. Er hatte seine Markenzeichen gefunden, künstlerisch thematisch und im äußeren Erscheinungsbild: Sonnenbrille und Tuch um die Stirn, Schmuck und schwarze Kleidung - beides hat er mit seinem bald einsetzenden Erfolg am Kunstmarkt beibehalten.

Sein Foto- oder Hyperrealismus war weniger wienerisch als damals schon an deutschen und amerikanischen Künstlern orientiert. Seine Malerei hält sich immer noch eng an die fotografischen Vorlagen, die er als Selbstinszenierung im öffentlichen Raum, ab 1972 auch mit seinen und fremden Kindern aufnahm, jedoch bis vor wenigen Jahren selten öffentlich präsentierte.

In der Retrospektive der Albertina zu seinem 65. Geburtstag sind die frühen Schwarzweiß-Zyklen und auch spätere Farbaufnahmen jetzt in Fülle ebenso vorhanden wie die Experimente mit Automaten und Polaroid. Viele von ihnen zeigen Helnwein selbst, bandagiert und von Klammern körperlich gequält, in der auf Normalität bemühten Umgebung, am Naschmarkt oder im Café Alt Wien. Da es seine Inszenierungsideen waren, bleiben die Fotografen ungenannt. In der meist chronologisch aufgebauten Schau werden die bekannten Bilder gegenübergestellt, so das ikonenhafte "Selbstporträt (Blackout)" von 1982, schreiend hinter geborstenem Glas. Dieses Aquarell als Cover des "Zeit"-Magazins machte ihn schlagartig bekannt, Plakatserien im öffentlichen Raum, zumeist für Theaterfestivals und Aufträge für Bühnenbilder folgten. So traf er auf Peter Zadek und Heiner Müller. 1982 lehnte er einen Lehrstuhl in Hamburg ab, nach der Ablehnung als Professor für Malerei an der Wiener Akademie, ging er mit seiner Familie nach Deutschland, später Irland und in die USA.