Ölmalerei und Acryl lösten das feine Aquarell ab, Helnwein wechselte ins monumentale Format, nahm die Farbe zurück und übersetzte das Schwarzweißfoto in monochrom geschichtetes Grüngrau und zeitweise Unschärfe. Ein wenig steht er dem zynischen Diktum von Gerhard Richter nahe, der von einem "kapitalistischen Realismus" sprach, folgt aber nicht der postmodernen Beliebigkeit von dessen Thematik. 1991/92 hatte er Richters Porträtserie von 48 berühmten Männern durch die wesentlichen weiblichen Pendants in Rottönen ergänzt; darunter ist ein Porträt Alice Schwarzers, deren Kritik seine Reaktion herausforderte.

Helnwein blieb immer im Figürlichen, widmete sich ab 1990 stark der Aufarbeitung seiner katholischen Erziehung nach 1950 und der Zeit des Nationalsozialismus. Er mischte religiöse Themen wie die "Anbetung der Könige" mit Aufnahmen der Kriegsverbrecher, immer darauf bedacht, die Kinder als Euthanasieopfer, oder durch die Propaganda Hitlers manipuliert, in den Vordergrund zu stellen. Missgeburten aus der Sammlung des Narrenturms sind drei Meter groß zum Triptychon erhoben.

1979 kam der Wiener Gerichtspsychiater Heinrich Gross mit dem Aquarell "Lebensunwertes Leben" in Helnweins Schusslinie, auch brieflich forderte er ihn auf, seine Tötungsdelikte zu gestehen. Die öffentliche Diskussion seiner Werke, die nun Kindersoldaten, Opfer von Amokläufen, Gewaltspiele und japanische Mangas aufspießt, bleibt ihm wichtig.

Die Donaldisierung der Welt


Jedoch sieht er nach der positiven Donaldisierung der Welt mit Comics wie "Mickey Mouse" und Popkultur, als Retter seiner Jugend, die Apokalypse des Westens heraufdämmern. Das ist dann doch eine gnostische, weil christlich endzeitliche, damit zynische und männliche Sicht der Welt. Im Wagnerjahr stößt er als zweiter Jubilar zur Warnung des Publikums vor dem Ende vor, nur dass uns nicht mehr die als germanischen Ritter verkleideten Genies retten können, sondern er und die Kinderopfer aus seinen Bildern erklären, wie sehr unsere Zivilisation ins Wanken geraten ist. Auswege - und das gibt zu denken - sind denn doch in neuen Weltbildern der jungen Künstler zu finden.