Das vierte Ei bleibt anonym: "Amanda, Hope, Piper." Michèle Pagel legt Eier auf Furzkissen aus Beton. - © Gabriele Senn Galerie
Das vierte Ei bleibt anonym: "Amanda, Hope, Piper." Michèle Pagel legt Eier auf Furzkissen aus Beton. - © Gabriele Senn Galerie

(cai) He, das ist doch der kleine Bruder vom . . . Na und? Ist der Manfred Bockelmann vielleicht Bruder von Beruf? Trotzdem hab ich mich gefragt, jetzt, wo er 70 ist, wie viele Kerzen auf seiner Torte waren. Vier? Weil mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. (Bockelmann. Ist der etwa auch entfernt verwandt mit dem Zauberer aus dem "Räuber Hotzenplotz"? Ach nein, der heißt Zwackelmann.)

Zum Siebziger (nach Udonischem Kalender: zum Vierer) des Malers und Fotografen gibt die Galerie Frey Einblicke in die beachtliche Bandbreite seines Schaffens. Könnte eine Gruppenausstellung sein. Imposant: seine Ansicht von Manhattan (verdammt, der Udo geht wieder los und singt mir den Verstand aus dem Kopf: "Ich war noch niemals in New York . . ." - meldet sich der jetzt auf jedes Stichwort?), wo die intime Technik der Zeichnung zum großen Leinwandstar wird. Kohle auf weißer Leinwand. ("Weiße Rosen aus Athen . . ." Nein, das ist die Nana Mouskouri.) Und mit totaler Hingabe ans Streifenmuster macht er aus seinem Bademantel eine Sehenswürdigkeit. (Nicht dass deshalb die Touristen vor seinem Badezimmer Schlange stehen würden, um sich mit dem Original fotografieren zu lassen.) Er hat eindeutig ein Auge (oder zwei) für Strukturen. Ein Landschaftsgemälde kann an gestapelte Handtücher erinnern. Meine ganz persönlichen Lieblinge sind die Bodenproben, die der Fotograf Bockelmann nimmt. Intensive Konzentrate von abstrakter Kunst. Die abstrakte Kunst liegt nämlich auf der Straße herum. Zur freien Entnahme.

- © Yantra - Fotolia
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Galerie Frey

(Gluckgasse 3 - "Griechischer Wein . . . komm schenk dir ein")
Manfred Bockelmann, bis 23. Juli
Mo. - Fr.: 11 - 18.30 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr

In den Beton gefurzt

(cai) Vier Eier liegen im Nest: Amanda, Hope und Piper. (Eine Amanda, eine Hope und eine Piper werden zumindest im Titel namentlich erwähnt: "Amanda, Hope, Piper.") Tja, es gibt drei Arten von Menschen. Die Amandas, die Hopes und die Pipers? Nein. Die, die genau zählen, und die andern. Und wir werden nie erfahren, wie das vierte Ei heißt.

Ein unorthodoxes Gruppenporträt. Noch dazu ist das Nest ein in Beton gegossenes Furzkissen. Pubertierender Humor? (Ich find’s jedenfalls witzig. Aber sollten Bildhauer nicht eigentlich was aus Marmor meißeln?) Oder sagt uns Michèle Pagel das Götzzitat? (Ich furz auf euch!) Sie ist die Vierte von, grob geschätzt, drei frisch von der Akademie ausgebrüteten Bildhauerinnen, die die Galerie Senn derzeit . . . sicher nicht "marmorieren". Die andern fünf (Cäcilia, Sabrina und Heidi), von Kuratorin Katharina Senn ausgewählt, haben auch keinen Genierer. Cäcilia Brown montiert eine Schachtel hoch oben an der Wand. Ein Papierkorb für Basketballer? Hohe Kunst? (So hoch, dass man sie nur mit der Leiter erreicht.) Das banale Ding hängt freilich mit unglaublicher Würde da droben. Na ja, die Betonplatten, mit denen Brown den Stiegenabgang abdeckt, lassen es sich ja ebenfalls nicht sofort anmerken, dass sie kein schlampiges Provisorium sind, sondern eine statische Präzisionsarbeit. Der Titel dieser Werkserie ist sogar gereimt: "nun entschuldigen sie mir, ich bin hier." Man möchte weiterdichten: "und wenn ich sie stör, schauns halt ned hör".

Genauer hinzusehen lohnt sich bei Heidi Radas Telegrafenmasten unbedingt. Der hat ein originelles Geschwür. Aus geköhlerten Schriftstücken. Ein Denkmal für eine aussterbende Form der Kommunikation? Fürs Briefeschreiben? Und mit dem Raum kommunizieren die filigranen Konstruktionen von Sabrina Peer. Im Sommer schaut man eben gern was Leichtes an. (Nicht dass die Galeristen Salatblätter an ihre Wände nageln sollten.)

Gabriele Senn Galerie
(Schleifmühlgasse 1)
Brown/Pagel/Peer/Rada
Bis 30. August
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr