- © Yantra - Fotolia
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(cai) Zwei hübsche Frauen im Minikleidchen vor einer Bankfiliale am Graben in Wien. Auf ihrem Transparent die Botschaft: "Bank of Tinsel & Twinkle." Ein paar Passanten haben das sicher missverstanden. Als Schwulen-Demo. Weil Tinsel-Twinkle, so heißt doch dieses tuntige Teletubby mit dem Handtascherl, oder? (Ach nein, das ist der Tinky-Winky.)

Es war natürlich eine Kunstperformance. Wer auf einen Blankogeldschein einen Gedanken zur Finanzwelt geschrieben hat, hat einen bereits ausgefüllten Schein gekriegt. Zum Beispiel mit der Formel für die globale Bereicherung drauf : "Capital : Conscience = Affluence For All." Kapital, dividiert durch Gewissen, ergibt Wohlstand für alle. Genial. (He, wieso verkauft man die Wirtschaftskrise nicht an eine Bad Bank? Dann wären wir sie los.)

Nach diesem kecken Vorspiel auf der Straße zeigt das britische Duo Tinsel & Twinkle jetzt in der Galerie Stock, was es malerisch drauf hat. Titel der Ausstellung: "Affluence and Avarice." (Wohlstand und Habsucht. Klingt ja wie ein Roman von Jane Austen.) Twinkle Troughton hat eindeutig den weicheren Pinsel. Mit altmeisterlicher Feinmotorik malt sie fabelhafte Tierbilder. Ein Löwe posiert mit würdevoller Arroganz im Anzug. (Die Mächtigen kriegen halt immer den Löwenanteil.) Und die tote Krähe, deren zerfledderte Seele (ein Schmetterling mit eingerissenen Flügeln) sich in den Himmel schleppt? Eine Allegorie der Depression, des Burnouts, des Bankrotts? Nein, des Krieges. (Traurig.) Damit kann der schlichte, fast platte Realismus von Tinsel Edwards nicht ganz mithalten. Dafür nennt sie ungeschönte Zahlen: "£319 per week for this gorgeous one bed flat." (Bildtitel.) Toll, dass zwei Mädeln, die sich gern als eineiige Zwillinge verkleiden, trotzdem zwei Eier haben.

Erfolgreicher als der Wolf im Schafspelz: Löwe im Anzug. "The Sick Lion" (frei nach Äsop) von Twinkle Troughton. - © Galerie Stock
Erfolgreicher als der Wolf im Schafspelz: Löwe im Anzug. "The Sick Lion" (frei nach Äsop) von Twinkle Troughton. - © Galerie Stock

Galerie Michaela Stock
(Schleifmühlgasse 18)
Tinsel & Twinkle, bis 10. August
Di. - Fr.: 16 - 19 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr

Requiem für einen Baum

(cai) Das ist doch keine Kunst. Das ist Brennholz. Zum Wucherpreis. Ein Dreierpack kostet 18.000 Dollar! (Wer hat das Holz gehackt? Stradivari?) Ach, zur Not geht Holzhacken eh als abstrakter Expressionismus durch. Und den Wänden der Galerie Winter steht das Brennholz ziemlich gut.

Richard Nonas fasst meist drei Scheiter zusammen. Zu einem knappen Dreizeiler. Einem Haiku aus Holz. Quasi. Ich versuch das einmal zu übersetzen: "Baum - Sturm - rums!" Weil immerhin stammt das Holz von einer Fichte, die 2012 in New York vom Hurrikan Sandy gefällt worden ist. Auf einem Friedhof. (Wenn daskein Memento mori ist.) Das kann gar keine abstrakte Kunst ohne tieferen Sinn sein. Und dann diese Stolperfallen auf dem Boden. Ein paar Stahlbarren, präzise platziert. (Hat der Stahl etwa geweint und ist deshalb so gerostet?) Und zwischendurch so was wie Taktstriche. Ein schwerer (na ja, Stahl wiegt halt was), ernster Rhythmus. Der letzte Takt im hinteren Raum ist ein geradezu theatralisches Finale. Grelles Licht. Und statt kleiner Barren: imposante Balken aus Schwarznussholz, auf die sich der Blick begeistert draufschmeißt wie Brünnhilde am Ende der "Götterdämmerung" auf den Scheiterhaufen zu ihrem Siegfried. Wenn Blicke jodeln könnten. (Okay, da ist der Wagner mit mir durchgegangen.) Nonas inszeniert seinen Minimalismus jedenfalls mit raffiniertem Understatement. Findet brauchbare Kompromisse zwischen Berechnung und Zufall, Perfektion und Schlamperei. Und das Holz lebt bei ihm nach dem Tod des Baumes recht vital weiter.

Galerie Hubert Winter
(Breite Gasse 17)
Richard Nonas, bis 31. August
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 14 Uhr