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Das Zeitliche

regnen

(cai) Es kommt vom Regen in die Traufe, aber nass ist es ja sowieso: das Wasser. Gut, Alkohol ist noch nasser, weil der käme sogar durch einen Regenschirm durch. (Was ziemlich wurscht ist. Denn Wolken trinken eh nur Wasser und sind keine Alkoholiker.) Jetzt weiß ich auch endlich, wie sich der Tropfen fühlt, der das Fass zum Überlaufen bringt. In der Galerie Thoman gibt’s jedenfalls ein Modell von der schnittigen, mehrspurigen Wasserrinne, mit der Walter Pichler bei sich daheim im Südburgenland das Wasser aus einem vollen Trog in einen leeren leiten wollte. (Die zwei sehen aus wie Regentonnen aus der Steinzeit. Na ja, sie sind aus Stein). Da kann man nun den Blick hinunterrutschen lassen. Quasi aus der Perspektive des Tropfens, der zu viel ist, runterschauen. (Den könnte eine Centmünze aber genauso gut spielen.)

Kunst und Wetter: Walter Pichlers Abflussrinnen (hier das Modell im Maßstab 1:1) leiten das Regenwasser von Trog eins in Trog zwei. - © Elfie Tripamer-Pichler
Kunst und Wetter: Walter Pichlers Abflussrinnen (hier das Modell im Maßstab 1:1) leiten das Regenwasser von Trog eins in Trog zwei. - © Elfie Tripamer-Pichler

Man braucht übrigens keine sonderlich feuchte Phantasie, um sich die "Wasserspiele" konkret vorzustellen. 60 Skizzen, Pläne und kolorierte Zeichnungen machen es einem leicht. Die geben einen lebendigen Einblick in Pichlers geduldige Arbeitsweise. (Technik: Zeit auf Papier. Viel Zeit. Auf viel Papier.) Erstaunlich, mit welcher Ausdauer der gebürtige Südtiroler, der in den 1970ern ein Gehöft in St. Martin an der Raab erworben hat, bei seinen Gratwanderungen zwischen Skulptur und Architektur die elementare Klarheit gesucht hat. Das hier ist ein ausgeklügeltes Dachentwässerungssystem. Das Regenwasser aus der Dachrinne vom Wohnhaus fließt von Trog zu Trog und am Ende in die Natur. Und natürlich hat Pichler ein eigenes Haus für die Tröge gebaut. (Wie sonst für seine Figuren. Die sind auch nie obdachlos.) Bloß die Wasserrinne wartet seit seinem Tod im Vorjahr noch immer, gegossen zu werden. Und die Wasseruhr, die die Geduld misst, harrt ihres "Zeigers".

Galerie Elisabeth &

Klaus Thoman

(Seilerstätte 7)

Walter Pichler, bis 5. Oktober

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr

Mehr ist viel

zu wenig

(cai) Ich seh bereits die Schlagzeile (auf der Titelseite von meinem inneren "Täglich heute"): "Massenschlägerei in Galerie - Sammler prügeln sich um letztes Bild." Denn schließlich pickt nur bei einem Opus kein roter Punkt. (Das grenzt ja an Pointillismus!) Und wenn alle so viele blaue Flecken haben, dass es schon an Tachismus grenzt (von Französisch "tache" = Fleck), ruft der Künstler: "April, April!" Weil hier bedeutet ein roter Punkt: "Wer will mich?"

Die ganze Präsentation ist sowieso ein einziges Ichscheißminix (und besser als das Präsentierte). Der Baselitz mag seine Bilder verkehrt aufhängen, doch beim Mathias Kloser hängen sie verkehrter. Etwa mit dem "Hintern" nach vorn. (Ein Götzporträt?) Und dann kann man eh bloß das aufs Hinterteil montierte Blatt kaufen. Das ist ja so, als würd’ ich sagen: "Verdammt! Wenn ich wüsst, von wem das zweite ist." Also wie eine Pointe ohne Witz. Die wilden Krawatten sind leider auch nur temporäre Dekoration. (Sind das nicht Phallussymbole? Noch dazu elf. Das grenzt ja schon an Masturbation.)

Diese Kunst (überkleckste digitale Fotocollagen) hat massive Verstopfung. Vielleicht sollte der Kloser seine Acrylfarben mit Abführtee verdünnen. (Von seinen ironisch surrealen "Klatschbildern" könnt ich freilich mehr vertragen.) Auf ein Kennzeichen aus Südafrika kritzelt der Sohn zweier Entwicklungshelfer: "i was here." Eine Autobiografie? (Kapiert? Auto!) Und weil ich nicht so gemein bin wie er, erzähl ich jetzt den Witz zur Pointe: Was denkt eine Blondine, wenn sie Zwillinge kriegt?

Galerie Frey

(Gluckgasse 3)

Mathias Kloser

Bis 12. September

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 14 Uhr