• vom 20.08.2013, 15:49 Uhr

Kunst

Update: 20.08.2013, 16:09 Uhr

Todesfall

Johann Georg Gsteu gestorben




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  • 1927 - 2013
  • "Eine der zentralen Figuren der Architektur der Zweiten Republik" verstarb im Wiener Hanuschkrankenhaus.

Wien/Innsbruck. Der aus Tirol gebürtige Architekt Johann Georg Gsteu ist am Dienstag im Alter von 86 Jahren im Wiener Hanuschkrankenhaus an einem Herz-Kreislaufversagen gestorben. In Wien hat der Holzmeister-Schüler unter anderem Wohnhäuser, Bankfilialen, Stationsbauten der U6-Erweiterung und den Nordsteg errichtet. "Das Architekturzentrum Wien trauert um einen der wesentlichsten Protagonisten der österreichischen Architektur der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts", hieß es in einer Aussendung.


Innovative Designelemente

Für Friedrich Achleitner, den Doyen der heimischen Architekturkritik, gehörte Gsteu, der 1968 den Österreichischen Staatspreis für Architektur und 1976 den Architekturpreis der Stadt Wien erhalten hat, "trotz geringer öffentlicher Präsenz zu den zentralen Figuren der Architektur der Zweiten Republik". "Vor allem seine innovativen Designelemente - wie das berühmte Trapezblech aus Aluminium - und seine zukunftsorientierten Urbanisierungsideen - wie die (nicht realisierte, Anm.) Freilegung des Wienflusses auf dem Karlsplatz in Wien - machen ihn zu einem wichtigen Vordenker für die österreichische Architekturszene", hieß es im Vorjahr anlässlich der Verleihung des Josef-Lackner-Preises der Fakultät für Architektur an der Universität Innsbruck, wo Gsteu von 2000 bis 2005 als Gastprofessor tätig war.

Johann Georg Gsteu wurde am 26. Juli 1927 in Hall in Tirol geboren. Nach Absolvierung der Bildhauerfachschule in Hallstatt besuchte er gemeinsam mit Friedrich Achleitner, Wilhelm Holzbauer, Friedrich Kurrent und Hans Puchhammer die Höhere Technische Lehranstalt für Hochbau in Salzburg. 1950 bis 1953 studierte er an der Wiener Akademie der bildenden Künste in der später legendär gewordenen Klasse von Clemens Holzmeister. Aus ihr gingen so prominente Baukünstler wie Hans Hollein, Gustav Peichl, Wilhelm Holzbauer oder Johannes Spalt hervor. Erste Aufträge kamen aus dem kirchlichen Bereich: Gemeinsam mit Friedrich Achleitner plante Gsteu 1956 bis 1958 den Umbau der Rosenkranzkirche Wien-Hetzendorf, gemeinsam mit der "Arbeitsgruppe 4" (Holzbauer, Kurrent und Spalt) das Seelsorgezentrum Steyr-Ennsleiten (1958-61).

Alltagskultur

In den 1960er-Jahren realisierte Gsteu u.a. ein Seelsorgezentrum in Wien-Baumgarten und eine Sommerunterkunft für das Bildhauer-Symposium im burgenländischen St. Margarethen, in den 70ern errichtete er für die damalige Zentralsparkasse markante Zweigstellen. Es folgten einige Wohnbauten wie die Wohnhausanlage Josef-Bohmann-Hof (1978) und schließlich der Auftrag für die Errichtung der Stationsgebäude der U6-Verlängerung in den Süden, für die er mit maschinell verformten Aluminium-Trapezblechen einfache, doch einprägsame Formen geschaffen hat. Sein leuchtend gelber, markant geschwungener Nordsteg über die Donau diente zunächst als Ersatz für die Nordbrücke während deren Sanierung und steht seit 1997 ausschließlich Fußgängern und Radfahrern offen.

"Bei seiner letzten großen Arbeit bildet Gsteu in einem exquisiten funktionalen wie ästhetischen Bau der Alltagskultur, dem Wiener Müllzentrum am Meidlinger Markt von 2006, jene Thematik, die ihn seit Beginn der über 50-jährigen Planungstätigkeit beschäftigt: Innovativ durchdachte Architektur, die durch konsequente Verarbeitung spezifischer Materialien zur Form gelangt", heißt es in der von Claudia Enengl verfassten und 2010 im Verlag Anton Pustet erschienenen einzigen Monografie zum Werk Gsteus, der 1980 bis 1992 auch als Professor für Architektur und Design an der Gesamthochschule Kassel tätig war.

In den vergangenen Jahren hat sich Gsteu vor allem mit Stahlskulpturen beschäftigt, bei denen er genormte Stahlprofile aus dem Hallenbau verwendete. Und so wurde 2011 bei der Eröffnung einer Ausstellung in der Wiener Galerie Chobot "die Entdeckung eines neuen, eines jungen Bildhauers" (Eröffnungsredner Alfred Weidinger) gefeiert. Gsteu wurde u.a. mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Wien und dem österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ausgezeichnet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-08-20 15:49:38
Letzte Änderung am 2013-08-20 16:09:03


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