Sylvester Stallone , wie ihn Michel Comte sieht. - © Michel Comte
Sylvester Stallone , wie ihn Michel Comte sieht. - © Michel Comte

Zärtlich sieht er aus, der Miles Davis, wie er da seine Trompete hutscht. Es ist eines der berühmtesten Fotos des Glamourfotografen Michel Comte. Es war im Jahre 1989, als der Schweizer den Jazzgiganten hieß, er solle sich doch mal da auf den Küchenboden legen. Davis, Inbegriff des Coolen, tat es und verhalf Comte so zum Durchbruch.

In den 90ern war Michel Comte schließlich stilprägend für die Hochglanzfotografie. Vor allem mit dem Grundsatz, Stars abseits ihres gängigen Klischees abzubilden. Das ist dann auch ein bisschen das Problem der Ausstellung im Wiener Kunsthaus. Denn die Epigonen der Comte-Ästhetik tummeln sich zuhauf in den Redaktionen von "Vogue" bis "Servus in Stadt und Land". Man hat schlicht das Gefühl, all diese Bilder schon hunderte Male gesehen zu haben.

Das soll aber noch nichts über die Qualität der Fotos sagen. Da gibt es eine Sophia Loren mit einer weißen Pelzhaube, die gekonnt aus dem weißen Hintergrund taucht und mit ihren langen Wimpern durch das Weiß sticht. Da gibt es das (schwarze) Model Iman, das Comte hinter einem (weißen) Gazetuch versteckt - ein nachgerade poetischer Effekt. Da gibt es einen Sylvester Stallone mit krampfigen Händen und Rosenblättern auf den Augen - übrigens eines der vielen Fotos, die im Hotelzimmer 152 im Pariser Ritz entstanden sind. Stallone klopfte einfach eines Abends an der Tür und wollte, dass der Fotograf auch von ihm einmal ein sein Image anschrägendes Bild macht. Und wer könnte Stallone einen Wunsch abschlagen . . .

So spontan, wie das klingt, geht es aber keineswegs zu: Mit allerlei Tricks arbeitet Michel Comte, etwa wenn er auf einem Porträt von Dolce & Gabbana einen der Designer schweben lässt. Aber nicht nur mit dem Licht wird gespielt. Ein Teil der Ausstellung erklärt, wie stark ein Foto von Uma Thurman nachbearbeitet wurde, damit sie passend makellos für eine Parfüm-Werbekampagne war.

Dass uns die Werbung belügt und dass Stars nicht so aussehen, wie Hochglanzfotografen sie "malen", das ist keine sehr neue Erkenntnis. Comte fotografiert aber auch in Krisenregionen. Auch dort nimmt er nicht Abstand von seinen Inszenierungen. In Haiti hat er etwa ein totes Baby in einem Leichenschauhaus aus einer finsteren Ecke in fototaugliches Licht geholt und noch in Pose gelegt. Eine Debatte darüber, wie legitim so eine Form der Reportagefotografie ist, kommt in dieser Schau allerdings zu kurz.