Berlin/Sofia/Wien. Der Theaterregisseur Dimiter Gotscheff ist im Alter von 70 Jahren gestorben. "Wir sind erschüttert und unsagbar traurig", schrieb der Intendant des Deutschen Theaters (DT), Ulrich Khuon, in einem Nachruf auf der Internetseite des Berliner DT. Es sei ein "unfassbarer Verlust". Er starb dem Theater zufolge in der Nacht auf Sonntag an einer kurzen schweren Krankheit in Berlin.

  Gotscheff gilt als einer der wichtigsten Bühnenregisseure im deutschsprachigen Raum. Die Inszenierungen des gebürtigen und mehrfach ausgezeichneten Bulgaren waren regelmäßig auf dem Berliner Theatertreffen zu sehen. Auch in Österreich war Gotscheff immer wieder tätig. So hätte im März 2014 das Akademietheater unter seiner Regie die Premiere des Samuel-Beckett-Stücks "Endspiel" am Programm.

Intendant Khuon erklärte: "Er hat die Arbeit und das Leben dieses Hauses über viele Jahre hinweg künstlerisch geprägt, als radikal und politisch tief denkender und empfindender Regisseur und Mensch." Gotscheff habe "die besondere Gabe einer verschmitzten Doppelbödigkeit und Selbstironie" gehabt. Zuletzt habe er am Deutschen Theater Shakespeare gezeigt, sagte Schweer. Ursprünglich sei für die Zukunft eine Inszenierung nach Samuel Becketts "Warten auf Godot" geplant gewesen. Am Deutschen Theater arbeitete Gotscheff den Angaben zufolge seit 2006/07. 

  Gotscheff kam in den 1960er-Jahren nach Ost-Berlin, wo er Tiermedizin studieren wollte. Doch dann lernte er den Schweizer Regisseur Benno Besson kennen und wurde dessen Schüler und Mitarbeiter. Er wirkte am Deutschen Theater und an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. 1979 verließ er den Angaben zufolge wegen der Ausbürgerung von Wolf Biermann die DDR und ging nach Bulgarien zurück. In den 1980er-Jahre arbeitete er dann wieder an deutschsprachigen Bühnen.