Salzburg. Der Salzburger Stadtteil Aigen ist als Nobelgegend bekannt. Hier hat Franz Beckenbauer ebenso eine Villa wie DJ Ötzi. Neben schönen Villen hinter hohen Thujen stehen in Aigen aber auch ganz unscheinbare Häuser. Eines davon gehört Cornelius Gurlitt, in dessen Münchner Wohnung bayrische Zollfahnder den spektakulären Fund von NS-Raubkunst tätigten.

Mehr Hexenhaus als Depot für NS-Raubkunst: Cornelius Gurlitts Salzburger Domizil. - © Nagl
Mehr Hexenhaus als Depot für NS-Raubkunst: Cornelius Gurlitts Salzburger Domizil. - © Nagl

Das unscheinbare Haus Gurlitts steht zwei Straßen entfernt von einer Touristenattraktion, der Villa der Familie Trapp. Diese flüchtete vor den Nazis und wurde durch das Musical "The Sound of Music" weltberühmt. Das Haus Gurlitts bringt Salzburg nun eine Rolle im Kunstraub-Krimi ein. Es steht in einer kurzen, verschlafenen Straße mit Einfamilienhäusern und machte diese ruhige Wohngegend am Dienstag zu einem Pilgerort der Medienkarawane. Neben lokalen Journalisten und Kamerateams begutachteten beim Lokalaugenschein der "Wiener Zeitung" auch mehrere Münchner Journalisten das Haus. Ein Kamerateam des US-Senders NBC soll ebenfalls schon in der Straße gewesen sein.

Gurlitts Haus gibt schon aufgrund seines Zustandes allerlei Anlass für Spekulationen. Das Gebäude macht einen verfallenen Eindruck, im Garten wuchert Gestrüpp. Im Türstock hängen Spinnweben, die Fenstergitter sind verrostet, im Obergeschoß sind die Balken verschlossen. Einzig das Gartentor steht offen, was ein Fotograf gleich als Einladung für eine Fotorallye versteht.

Unzugänglicher Nachbar

Die Informationen zum Haus und seinem Besitzer kommen in erster Linie von den Nachbarn. Einer, ein pensionierter Geschäftsführer eines Mineralölunternehmens, hat wenig Gutes über Gurlitt zu sagen. "Er war immer alleine. Er wollte mit niemandem reden und hat niemanden ins Haus gelassen", erzählt auch die Frau des Nachbarn.

Ihre Töchter hätten im Obergeschoß des Hauses öfters ein "mysteriöses Licht" beobachtet, berichtet das Paar. Einen Kanal-Hausanschluss durch die Stadt verweigerte Gurlitt und zahlte vor einigen Jahren lieber die verhängte Strafe. Seit etwa zwei Jahren habe er Gurlitt, dessen aktueller Aufenthaltsort unbekannt ist, nicht mehr gesehen.

Bitten an die Polizei, in dem Haus Nachschau zu halten, blieben schon vor Jahren ohne Wirkung. Auch jetzt zeigen die Behörden in Salzburg kein gesteigertes Interesse. "Derzeit gibt es gegen den Mann kein strafrechtliches Verfahren in Salzburg", sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher. Ein Rechtshilfeersuchen der deutschen Kollegen ist bisher nicht eingetroffen, denn die bayerischen Ermittler gehen nicht davon aus, dass Gurlitt in seinem Salzburger Haus ein zweites Lager hatte.

Allerdings gab es vor zwei Jahren aufgrund eines Finanzvergehens ein Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Augsburg. Ihm wurde aufgrund der geschilderten Verdachtslage nicht entsprochen: "Bei den Schilderungen hat es für uns keinen Hinweis darauf gegeben, dass das ein strafgerichtlicher Tatbestand wäre", erklärte Neher.