G. Münters "Winter in Elmau" erzielte 329.700 Euro. - © Dorotheum
G. Münters "Winter in Elmau" erzielte 329.700 Euro. - © Dorotheum

Wien. In den vergangenen Tagen vermeldeten die Schlagzeilen der Presseaussendungen der Wiener Auktionshäuser einen Rekord nach dem anderen. Der Einzelkämpfer Wolfdietrich Hassfurther begann mit einem weiteren Rekord für eine Arbeit von Alfons Walde. Das Werk "Büchlach mit Wildem Kaiser" erzielte 484.000 Euro und war schon der elfte Walde-Rekord des kleinen Auktionshauses. An diesen Preis kamen auch die beiden anderen Wiener Auktionshäuser nicht heran.

Weltrekordpreis für Schifano


Im Kinsky erreichte der Walde "Berghof am Wilden Kaiser" 378.000 Euro, im Dorotheum fand die Arbeit "Weiber am Kirchweg" für 128.400 Euro einen Käufer. Dafür erzielte im Dorotheum "Incidente" von Mario Schifano mit 446.800 Euro (inklusive Gebühren) einen Weltrekordpreis für den Künstler. Und die Im-Kinsky-Auktionen verzeichneten bei ihrer Jubiläumsauktion mit einem Gesamterlös von knapp zehn Millionen Euro überhaupt die erfolgreichste Auktion in der Geschichte des Hauses. Für diesen Erfolg waren unter anderem Verkäufe Oskar Kokoschkas "Bacino di San Marco" (604.800 Euro), Josef Albers "Gray turns to Violett" (201.600 Euro) oder Rudolf Wackers "Varieté Sonderschau" (100.800 Euro) verantwortlich.

Bei der Antiquitäten-Auktion im Kinsky überraschte das harte Bietergefecht um einen byzantinischen Steigbügelring aus dem 11. Jahrhundert: Von einem Schätzpreis von 25.000 Euro ausgehend ersteigertenach spannendem Verfahren ein amerikanisches Museum die Preziose um 189.000 Euro. Die Unberechenbarkeit von Auktionen und deren Klientel ließ sich im Kinsky bei den Zeitgenossen beobachten: Fanden etwa respektable Arbeiten zu verhältnismäßig geringen Schätzpreisen von Otto Mühl, Kurt Kocherscheidt oder Max Weiler keinen Sammler, erzielte eine absolut zweitklassige Malerei von Voka, der als herausragende Referenz die Galerie Zweymüller aus Baden anführt, sofort den oberen Schätzpreis von 25.000 Euro.

Das Dorotheum wiederum betonte, die beste Zeitgenossen-Auktion durchgeführt zu haben. Neben dem Rekordpreis für Mario Schifano waren es etwa Arbeiten Lucio Fontanas, dessen Werk "Concetto spaziale"die Millionen-Euro-Grenze knapp übersprang (um 1.071.389 Euro), Hans Hartungs "T1948-35" (um 291.280 Euro) oder Alighiero Boettis "Rosso Corallo 102" (um 317.500 Euro) die für den entsprechenden Umsatz sorgten. Außerdem erzielten Lose österreichischer Künstler wie Herbert Brandl, Gottfried Helnwein, Otto Mühl, Heimo Zobernig oder Erwin Wurm teilweise respektable Preise. Wobei es schon überraschte, dass Wurms weithin bekannte Skulptur "The artist who swallowed the world when it was still a disc" keinen Abnehmer gefunden hat.

Bei der Klassische-Moderne-Auktion im Dorotheum überzeugten unter anderem eine Bleistiftzeichnung von Amadeo Modigliani "Le poète Blaise Cendrars" (um 158.455 Euro), das Landschaftsbild "Winter in Elmau" von Gabriele Münter (um 329.700 Euro) oder Giorgio de Chiricos "Piazza d’Italia" (um 256.00 Euro) internationale Sammler.