Lüftungsschacht? Nein, Kamin. Und wenn Sie jetzt durch das Blech durchschauen, müssten Sie ein Vogelnest sehen. ("Nest" von Roman Ondák.) - © Galerie Janda
Lüftungsschacht? Nein, Kamin. Und wenn Sie jetzt durch das Blech durchschauen, müssten Sie ein Vogelnest sehen. ("Nest" von Roman Ondák.) - © Galerie Janda

(cai) Ein Schwarzes Loch herzustellen, mit bloßen Händen (zumindest ohne Zuhilfenahme eines Teilchenbeschleunigers), das ist doch "die" Sensation. Wieso war das nicht auf sämtlichen Titelseiten? Weil halt kein vernünftiger Mensch irgendwas von dem ernst nimmt, was ein Künstler in seinem Atelier so treibt.

Roman Ondáks "Black Hole" bringt einen tatsächlich zum Lachen. Es ist nämlich ein Schlüsselloch. (Wer sagt, ein Schwarzes Loch müsse rund sein?) An der Oberseite eines sonst leeren Sockels. Ach, hat das Schwarze Loch die Skulptur verschluckt? Eher nicht. Als ich mich drübergebeugt hab, hat es mir jedenfalls nicht sofort die Augäpfel rausgerissen. Das hat null Saugkraft. Dass sich der Blick trotzdem nur schwer lösen kann, liegt an der Neugier, nicht an der Gravitation. Eines der letzten Mysterien der Kunst ist endlich aufgeklärt: Was befindet sich in einem Sockel? (Dunkelheit.)

Strenge Ästhetik mit Humor. Was ist auf dem Dach und raucht? Eine nikotinsüchtige Taube? Nein, ein Kamin. Ondák hängt einen über unsre Köpfe. Und versteckt darin ein Vogelnest. Sollte das ein Rätsel sein, ist die Lösung: Nestwärme.

Die spartanischen Collagen aus Fundstücken wirken dagegen wie Scherzfragen ohne Antwort. Was macht ein Briefkasten auf einer Landkarte? (Na ja, mir fiele da schon eine Antwort ein: Er wartet auf den Briefträger.) Sehr autobiographisch. Der Slowake Ondák pickt einen vom Vater gebauten Briefkasten auf ein Stück Tischplatte und platziert diese symbolische Darstellung seines Elternhauses auf der Karte von Osteuropa. Raffiniert. Alltagsgegenstände künstlerisch umzudeuten, kann freilich auch ziemlich banal sein. Was hat vier Ecken, ist aber kein Viereck? Ein Fensterrahmen, nachdem Ondák ihn zerstückelt und ein Mobile draus gemacht hat.

Galerie Martin Janda
(Eschenbachgasse 11)
Roman Ondák
"Erased Wing Mirror", bis 8. März
Di. - Fr.: 11- 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr

Bis(s) zum Fünfuhrtee

(cai) Dass Vampire lichtempfindlich sind, ist ja nix Neues. Wenn die ein Solarium mit einem Sarg verwechseln, passen sie nachher in einen Staubsaugerbeutel. Aber dass sogar ihre Porträts nicht an die Sonne dürfen? Gut, die "Mona Lisa" darf man auch nicht mit Blitz fotografieren, sonst zerfällt sie augenblicklich zu Staub. (Vielleicht nicht "augenblicklich".)

Die blassen Bilder vom Bertram Hasenauer scheinen jedenfalls zu ihrem eigenen Schutz unten im Keller der Galerie Mauroner zu hängen. Die sind an den Wänden ja jetzt schon so gut getarnt wie Schneemänner auf dem Kilimandscharo. Weil sie fast die maximale Dosis Weiß enthalten. Noch weißer und sie sind unsichtbar. Und wo steht, dass die androgynen Wesen Blutsauger sind? Nirgends. Doch vom Typ her würden die locker als kultivierte, jugendliche Vampire durchgehen. Als die englischen Cousins und Cousinen von diesem anämischen Edward aus der "Twilight Saga". - Oder als Elfen.

Und obwohl sie nicht lächeln, haben sie viel mit der "Mona Lisa" gemeinsam. Die Mona Lisa war ein Vampir? Blödsinn. Sie ist auf Holz gemalt und hat keine Wimpern. (Bei denen, die der Hasenauer von hinten "porträtiert" hat, sieht man natürlich nicht, dass sie keine Wimpern besitzen.) Dafür hat der Pinsel jedes Kopfhaar gezählt. Zusammen mit dem ätherischen Entschwinden der Körper ergibt das diese unwiderstehlich fragile Anmut. Aber könnte bitte jemand das eine plumpe Bild umdrehen, wo einer einen Sack aufhat wie ein Guantanamo-Häftling? Das stört ein bissl die Stimmung.

Mario Mauroner
Contemporary Art
(Weihburggasse 26)
Bertram Hasenauer, bis 15. März
Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr