Jos de Gruyter & Harald Thys verbinden die Beliebigkeit von Alltagsszenen mit Verweisen auf die NS-Ausstellung "Wunder des Lebens". - © Stephan Wyckoff/Jos de Gruyter & Harald Thys/Kunsthalle Wien
Jos de Gruyter & Harald Thys verbinden die Beliebigkeit von Alltagsszenen mit Verweisen auf die NS-Ausstellung "Wunder des Lebens". - © Stephan Wyckoff/Jos de Gruyter & Harald Thys/Kunsthalle Wien

Eigentlich ist das belgische Duo Jos de Gruyter & Harald Thys durch seine Videos bekannt geworden, zuletzt zu sehen auf der 55. Biennale in Venedig. Die beiden Künstler arbeiten seit 1980 zusammen. Sie erstellen auch als Zeichner und Fotografen Installationen.

"Das Wunder des Lebens" ist die erste extra für den Raum der Kunsthalle konzipierte Einzelpräsentation, und ihre Auswahl dafür hat auch mit der Brüsseler Zeit von Kunsthallendirektor Nicolaus Schafhausen zu tun. Aus einer geplanten Kooperation mit dem
M HKA Antwerpen wurde auf Wunsch der Künstler eine neue Raumkonzeption, die vor allem durch die weiße Farbe, rigide Geometrie und einen minimalen Sound auffällt.

Denn in der Mitte verplätschert ein Brunnen die Stille, drei weiße Schaufensterpuppenköpfe aus Styropor, "Die Naseweisen", sind hoch gestelzte Wasserspeier mit Anspielung auf ein klassizistisches Gartenidyll. Je vier Zeichnungen an Vorder- und Rückseite der skulptural wirkenden Stellwände im Rastersystem sind mit einer Nummer versehen.

Alltag und Assoziation


Beim Eingang werden altmodische Audioguides an die Besucher verteilt, die auf Knopfdruck mittels Computerstimme exakt vortragen, was von links oben bis rechts unten zu sehen ist. Nicht mehr und nicht weniger, denn auch die vielen Alltagsszenen sind monoton und ohne künstlerische Geste gezeichnet. Die Inhalte: Menschen im Zug, der Zug selbst vor einem Vulkan, Flugzeuge, Schiffe, Speisen, Rezepte und Reklame, und immer wieder Gruppen auf der Straße, im Zoo, vor Sehenswürdigkeiten und diese - etwa die Tower Bridge in London - auch noch allein.

Ein Wald mit Mond erinnert an Max Ernst oder den Fälscherskandal um dieses Bild. Beim Betrachten eines Nilpferds hängt ein Zoobesucher wie eine "One Minute Sculpture" von Erwin Wurm über den Zaun, einem Bildhauer stehen die Haare zu Berge angesichts seiner abstrakten Skulptur, oder ein Gesicht taucht unter dem Mantel eines Passanten auf. Wer sucht, kann kleine absurde Einsprengsel in der Beliebigkeit der Szenen finden.

Zudem gibt es an den Außenwinkeln von vier Pseudo-Wächter-Skulpturen, die "White Elements" betitelt sind. Die Zeichnungen hier zeigen Organe des Menschen mit einem Kopf oben drauf. Sie spielen auf den gläsernen Körper an, den Bauhauskünstler Herbert Bayer 1935 für die NS-Ausstellung "Wunder des Lebens" geschaffen hat, die von Berlin aus bis 1944 in ganz Deutschland tourte und 4 Millionen Besucher hatte.