• vom 12.02.2014, 20:37 Uhr

Kunst

Update: 12.02.2014, 20:37 Uhr

Ausstellungskritik

Dunkle Träume im hellen Licht




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Pfeilerhalle in der Albertina: Eric Fischl - "Friends, Lovers and other Constellations".

Bei Eric Fischl verbirgt die Schönheit den Abgrund: "Swimming Lovers".

Bei Eric Fischl verbirgt die Schönheit den Abgrund: "Swimming Lovers".© Fischl/Jablonka Galerie, Köln Bei Eric Fischl verbirgt die Schönheit den Abgrund: "Swimming Lovers".© Fischl/Jablonka Galerie, Köln

Nach Robert Longo und Alex Katz widmet sich die Albertina dem Werk auf Papier von Eric Fischl, der um 1980 mit seinen masturbierenden und stehlenden bösen Buben nach New York auch in Europa für Aufsehen sorgte.

Information

Ausstellung
Eric Fischl
Friends, Lovers and other Constellations
Elsy Lahner (Kuratorin)
Albertina Pfeilerhalle
Bis 18. Mai


Eigentlich war Malerei damals für tot erklärt worden, und dabei ganz besonders die figurativen Motive. Doch Fischl stieß eine Richtung an, die später als "Bad Painting" Furore machen sollte. Der Bezug zu Fotografie und Film ist dabei groß, wenn auch anders als in Europa etwas früher bei Gerhard Richter. Parallel zu dem auch als Maler tätigen, bekannten Filmemacher David Lynch, geht es bei Fischl um die nur scheinbar heile Welt der amerikanischen Mittelklasse aus den Vororten der Städte, mit ihren in einer vordergründig heilen Welt verborgenen Träumen voller Schrecken.

Gefährdete Frauen
und tote Hunde
Das Milieu, in das er selbst 1948 hineingeboren wurde, gab ihm lange das Themenreservoir für seine figurativen Szenen - auch jene auf Papier - vor, wobei er mit Kombination von mehreren transparenten "Glassines" einzelne Personen anfangs in farbloser Gestaltung überlagerte.

Fischl malte mit Öl, um die glatte Oberfläche für Korrekturen nützen zu können; denn seine Linien werden direkt mit dem Pinsel aufgetragen. Erst in den späten 1980er Jahren versuchte sich Fischl in anderen grafischen Techniken wie Radierung oder Monotypie. Auf jener transparenten Folie entstand 1979 auch die Studie für "Sleepwalker", den im Planschbecken der Selbstbefriedigung verfallenen Jungen.

Die bürgerlichen Gärten werden - wie Long Island und andere Strände - als Freizeitplätze zu Orten für lauernde Voyeure, verdrängte Sexualität und ständig gefährdete Frauen. Deren Labilität, Verletzlichkeit, aber auch Gleichgültigkeit in den Bildern resultierten aus der Erfahrung des Künstlers mit einer alkoholkranken Mutter, die ihren Zustand in dieser Umgebung verborgen hielt.

Die Doppelmoral ist das eigentliche Thema Fischls. Auch in "The Critics" mit geschäftig auftretendem Paar, das steif und streng einen jungen Bildhauer an einer Statue beobachtet; dazwischen ist ein Dreirad geparkt, das für Verwirrung sorgt.

So offen bleibt auch die vielteilige, farbige "Study for Year of the Drowned Dog", die zuerst noch den Fund eines angeschwemmten toten Menschen zeigt. Erst später wurde daraus ein Hund, wie diese oft als Strandbegleiter auftreten. In den "Couples" oder "Swimming Lovers" geht es vorübergehend harmonischer zu, jedoch lauern bald wieder nackte junge wie alte Männer an Stränden, Röcke werden von kleinen Buben gehoben, schamlose Stellungen am Nacktbadestrand fotografiert; dabei überträgt sich die lauernde Haltung oft auf das andere Geschlecht. Die weibliche Erwartung, ja: zuweilen Provokation, kippt jedoch schnell in bedrohliche Langeweile.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-12 16:23:05
Letzte Änderung am 2014-02-12 20:37:30


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